Die Collegetaschen und ihre Klappen

Ich hätte gerne manchmal, dass meine Tasche farblich zur Kleidung und den Schuhen passt. Aber ich räume nicht gerne Taschen um. Meine Lösung: Collegetaschen mit Wechselklappen.

Taschenklappen sind ja hier am Blog in den letzten Monaten schon zwei Mal vorgekommen: Nämlich das Eidechsen-Mosaik und die Schneeflocken-Klappe. Und im kommenden Jahr 2024 wird aus der einen oder anderen Stoffspielerei eine weitere Taschenklappe als Ergebnis hervorgehen. Denn so eine Taschenklappe hat mit ca. 35 cm im Quadrat eine gute Größe als „Leinwand“ für Experimente.

Aber lass uns von vorne beginnen.

Zwei Sorten Taschen und die Farbklammer

Ich besitze nicht viele Taschen. Und ich nutze im Grunde immer nur zwei Größen:

Eine große Taschenform, in der Laptop, Wasserflasche und ein Utensilo (böse, wahrscheinlich in China von Kindern genäht, aus Polyester) Platz haben. In dem Utensilo (das ich noch einmal selbst nähen bzw. nachbauen muss, weil gerade alle Nähte aufgehen) steckt wirklich alles, was bei mir in einer großen Tasche mitmuss. Ein Griff, und ich habe alles in eine andere Tasche umgepackt Also theoretisch. Weil ich die große Tasche nur sehr selten wechsle.

Innenleben meiner großen Tasche mit Utensilo und Wasserflasche

Und ich nutze eine kleine Taschenform fürs Allernötigste: Schlüssel, Handy, Geldbörse. (Schnitt und Anleitung dafür sind fast fertig.)

Meinen Plan beruht auf dem Konzept der „Farbklammer“: Wenn Accessoires wie Schuhe und Taschen farblich zusammenpassen, bilden sie eine „Klammer“ im Outfit; es wirkt alles einheitlicher, zusammenpassend. Den Plan habe ich vor beinahe zwei Jahren in dem Blogpost über die grünen Schuhe und Tasche schon einmal beschrieben. Dort habe ich auch ein Bild vom (damals neuen) Regal im Vorzimmer gepostet, in dem alles farblich sortiert seinen Platz finden sollte. In der Zwischenzeit hat sich das Regal mit selbst genähten Barfußschuhen und kleinen Taschen in verschiedenen Farben gefüllt,

Mein Regal für Schuhe und Accessoires im Dezember 2023

Richtig bemerkt. Ordnung macht mir Freude.

Und die Idee mit den Taschenklappen ist halt, dass auch die ins Farbkonzept passen, aber weniger Platz brauchen als lauter vollständige, große Taschen.

Der Schnitt und meine Anpassungen

Meine Collegetaschen beruhen auf dem Schnitt Philine von Elbmarie (selbst gekauft), nach dem ich schon einmal eine Iron Man Tasche für den Göttergatten genäht habe. Für mich habe ich den Schnitt abgewandelt: Die Taschenklappe ist bei mir nicht am Taschenkörper angeschnitten, sondern ich habe Taschenkörper und Klappe getrennt und mit 3 cm breiten Klettstreifen (Haken am Taschenkörper, Filz auf der Klappe) versehen. So kann ich mit einem lauten „Ratsch!“ die Klappe wechseln.

Ich habe zwei Taschenkörper genäht, eine dunkelblaue und eine dunkelbraune. Beides sind schmutz-unempfindliche Farben (die Tasche darf auch mal auf dem Boden stehen), und zu beiden werden alle Farben von Taschenklappen passen, die ich meinem Farbschema entsprechend gestalten werde: Vorwiegend Orange, Dunkelrot, Dunkelgrün, Dunkelblau und Dunkelbraun. Oder auch mal ganz bunt. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

Meine beiden Basis-Taschen

So eine Tasche wird ja genäht, indem man die Teile für die Außentasche und die Teile für die Innentasche je miteinander vernäht, und diese beiden Teile (Außen- und Innentasche) dann rechts auf rechts – an die Wendeöffnung denken! – zusammennäht.

Die einzelnen Teile des Grundschnittes habe ich wie folgt individualisiert – also teilweise abweichend vom Originalschnitt – vorbereitet:

Außentasche vorne

  • Die vordere Außentasche hat rundherum ein reflektierendes Paspelband, weil ich viel mit dem Fahrrad unterwegs bin (Sicherheitsfeature).
  • Die beiden Schnallen als Verschlüsse sind in der Seitennaht mitgefasst.
  • Die praktische Aufsatztasche ist – wie in der Nähanleitung des Originals angegeben – einfach oben offen.

Außentasche hinten

  • Hier habe ich eine Seite des Klettstreifens, mit dem Später die Klappe befestigt wird, 1 cm vom oberen Rand entfernt angenäht. Das heißt: Bei 1 cm Nahtzugabe kommt der Klettstreifen später ganz knapp an der Kante der fertigen Tasche zu liegen.
  • Das Stoffstück in der Mitte ist oben und unten offen, mit einem Schrägband eingefasst: Diese Haltelasche ist so breit, dass der Griff meines Rollkoffers durchpasst. Wenn ich auf Reisen bin, kann ich die Collegetasche auf den Rollkoffer stellen, und sie kann nicht runterfallen.
  • Den Tragegurt habe ich in einer Länge, die ich mag, direkt am Taschenkörper festgenäht. Ich hasse es, wenn sich der Gurt in den verstellbaren Schnallen zusammenrollt oder rutscht. Ein Detailfoto von der Gurtbefestigung:
Der Gurt festgenäht: 3 cm vom oberen Rand, in einem Winkel von 130 Grad.

Außentasche seitlich

Am Seitenstreifen der Außentasche habe ich (leider erst bei der zweiten, der braunen Tasche) ein zusätzliches offenes Fach angenäht, das genau so tief und breit ist, dass mein Handy darin Platz hat. Das ist unterwegs oft ganz praktisch, weil ich es viel schneller zur Hand habe, als wenn es im Handyfach innen steckt.

Innentasche hinten

Am hinteren Teil der Innentasche habe ich ein Fach für den Laptop, Collegblock oder größere Schriftstücke eingebaut, das mit einer Lasche mit CamSnap geschlossen werden kann. Ich habe das Schnittteil um einige Zentimeter verbreitert und so eingenäht, sodass das Abteil etwas Volumen bekommt und die unteren Ecken offen bleiben.

Bei der ersten (der blauen) Tasche hatte ich nicht genügend nachgedacht und das Teil etwas zu schmal zugeschnitten. Bei der zweiten (der brauen) Tasche (ohne Bild) habe ich dieses Teil etwas breiter zugeschnitten und in den Seitennähten mitgefasst.

Innentasche vorne

Auf das vordere Teil der Innentasche habe ich eine zweigeteilte Aufsatztasche mit Kellerfalte eingenäht. Hier findet normalerweise das Handy seinen Platz, und manchmal auch eine Brille oder eine Schere.

Der Gurtpolster

Beiden Taschen habe ich einen Gurtpolster in ihrer jeweiligen Basisfarbe gegönnt. Das macht das Tragen der Tasche viel bequemer! Das Schnittmuster für so einen Gurtpolster habe ich schon einmal hier veröffentlicht.

Die Klappen

Die blaue Tasche habe ich aus Ikea-Sesselbezügen zugeschnitten, die beim Waschen eingegangen sind und nicht mehr auf die Stühle gepasst haben. Die braune Tasche ist aus Kunstleder, das aus Stoffmusterkatalogen eines Möbelhauses stammt.

Beide Basis-Taschen haben je eine Klappe in ihrer Basisfarbe bekommen. Die übrigen Klappen, die entweder bereits entstanden sind, oder noch entstehen werden, kann ich nach Lust und Laune zur jeweiligen Basis-Tasche kombinieren.

blaue Basis

braune Basis

Deckel in Basisfarbe

rote Wuschel Klappe

Eine Klappe, die mir seit langer Zeit durch den Kopf geistert, habe ich bereits genäht: Es ist eine „Wuschel-Klappe“ aus einem alten Badezimmervorleger. Meine Tochter war nicht begeistert davon. Sie meinte trocken: „Wie sieht denn das aus? Ich habe Lust, da draufzutreten.“ Ich mag die Klappe. Ich finde die lustig.

Bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, wie solche Badezimmervorleger eigentlich gemacht sind: So ein Vorleger besteht aus Schlaufen, die auf der Rückseite mit Kleber fixiert sind. Im Grunde also so eine Art „Punch Needle“ oder Teppichknüpfen.

Ich bin gespannt, wie oft ich die Klappen in Zukunft wirklich wechseln werde. Aber ich habe es mir leicht gemacht, denn im Grunde ist es nur ein Handgriff.

Die Taschenklappen-Galerie

Hier zeige ich die Taschenklappen, die’s schon gibt. Die Galerie wird laufend ergänzt.

Das ist drin

  • Schnitt/ Anleitung: Philine von Elbmarie (selbst gekauft).
  • Änderungen: Ich habe die Innen- und Außentaschen nach meinem Bedarf gestaltet wie oben detailliert beschrieben.
  • Material für die blaue Tasche: außen dunkelblaue Sesselbezüge von Ikea, die beim Waschen eingelaufen sind; innen weißer Baumwollstoff „Bomull“ von Ikea. Beides uralt, aus meinem Vorrat.
  • Material für die braune Tasche: außen dunkelbraunes Kunstleder, ein ausgemustertes Möbelstoffmuster aus einem Möbelhaus; innen Baumwollstoff mit „Afrika-Print“. Uralt, aus meinem Vorrat. (Den „Afrika“-Stoff hatte ich mal als Vorhang.)
  • für beide: Vlieseline H250 (dünn, eher steif) und H640 (dicker, flauschig); Reflektorpaspel; Schnallen und Gurte; CamSnap
  • Kosten: kann ich gar nicht abschätzen, weil ich vorwiegend alte Stoffe und Vorhandenes (wieder-)verwendet habe
  • Werkzeug: Nähmaschine
  • Arbeitszeit: rund 7 Stunden pro Tasche für Zuschneiden, Vlies-Teile aufbügeln (es sind VIELE Vlies-Teile!) und Nähen

Juhu! Ich kann doch noch ein Kästchen beim Bingo! füllen: „Taschen und Täschchen“. Viel Zeit habe ich nicht mehr bis Jahresende, um noch eine Reihe voll zu bekommen…

Verlinkt bei

Bingo 2022 bei Antetanni
Taschen-Linkparty

Taschen und Täschchen.

16 Kommentare zu „Die Collegetaschen und ihre Klappen“

  1. Ein interessant-praktisches Konzept. So was steht bei mir gerade an für eine Tasche bei der die Klappe beschädigt ist. Ich bin unschlüssig zur Anbringung der Klappe, mag Klett nicht so gerne.
    Taschen wechsle ich pragmatisch, wenn eine Wäsche ansteht. Der Wechsel ist nicht aufwändig weil die meisten meiner Taschen ähnliche Verstausysteme haben.
    LG Ute

    1. Ein Reißverschluss? (Aber dann müsste immer die eine, fixe RV-Seite an der Tasche zur anderen, mobilen, Seite an der Klappe passen… Und es bleiben lauter halbe Reißverschlüsse übrig? Oder mit Knöpfen, was vielleicht beim Tragen drückt? Für diesen Anwendungsfall finde ich den Klettverschluss am praktischsten. Er hält bombenfest, und ich habe ein großes Stoffgeschäft, wo ich auch nur Flausch- oder Hakenseite einzeln kaufen kann. D.h. ich habe einige Meter Haken gekauft für Taschenklappen, die da noch kommen könnten… Liebe Grüße, Gabi

  2. Liebe Gabi, diese Taschen sind super! So durchdacht und genau für deine Zwecke angepasst – das gefällt mir ganz besonders. Dunkelblau und Dunkelbraun, das passst auch immer, die Farben sind also bestens gewählt – und passen perfekt zu dir! Die Idee daran immer andere Klappen zu machen zu können und gleichzeitig eine Spielwiese für deine Stoffspielereien zu haben ist großartig. Das Utensilo in deiner Tasche finde ich witzig, quasi als Taschenorganisator (neudeutsch Organizer) – vielleicht könnte man es ein bisschen breiter machen, dass sich die Sachen besser darin verteilen. Ich bin begeistert und gehe mal noch die anderen Beiträge lesen – vor allem die Klappe mit den Häkelsachen finde ich grade spannend. Beim Badezimmerteppich … irgendwie kann ich dein Kind verstehen 🙂 – aber zum Glück sind die Geschmäcker verschieden. Ich muss da immer gleich an alles denken, was sich da so drin versammlt … Ganz liebe Grüße und kreatives Schaffen im neuen Jahr! Ingrid

    1. Liebe Ingrid, wie schön, dass du vorbeischaust! Und ich freu mich, dass dir das Konzept gefällt. Mein Utensilo ist ein Billigsdorfer Dropshipping-Teil aus China, bei dem wegen der schlechten Plastistoffqualität gerade sämtliche Nähte aufgehen. Das ist so ein Projekt, das ich auf die lange Bank schiebe: Das Teil auseinandernehmen und mit gutem Stoff neu nähen (die Reißverschlüssel und Schrägband würde ich wiederverwerten.) Den Badezimmerteppich würde ich tatsächlich vielleicht auch mal auf Reisen verwenden, wenn kein Badezimmerteppich vorhanden ist. ☺️ Nasse Füße auf kaltem Flieseboden – brrr! Was meinst du, „was sich drin versammelt“? Der Teppich ist gewaschen und mit dem superstarken Dyson-Staubsauger (den mein Mann gekauf hat) gründlich gesaugt. Da kann eigentlich gar nichts drinnen sein. Liebe Grüße, Gabi

  3. Liebe Gabi,
    was für eine coole Idee sind die Wechselklappen! Ich glaub, da hätte ich auch immer noch mehr Ideen für neue Varianten… aber die Badematte ich schon der Knaller 😂 sehr witzig!
    Toll, dein gefülltes Accessoir-Regal zu sehen – das macht wirklich was her.
    Hab eine gute Zeit,
    liebe Grüße
    Nanni

    1. Liebe Nanni, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie häufig ich die Wechselklappen dann wirklich wechseln werde. Derzeit ist fast ausschließlich die Kombi brauner Körper/ rote Lodenklappe (ohne Schneeflocken) im Einsatz, weil die so schön zu meinen roten Lieblings-Winterstiefeln und der roten Mütze passt. Aber ich hätte die MÖGLICHKEIT, die Klappe zu wechseln, ohne die Tasche ausräumen zu müssen, und das ist ja schon was. Liebe Grüße, Gabi

  4. Das ist ja eine Superidee, die Wechselklappen mit Klettband zu befestigen. Ich hatte so etwas auch mal geplant, wollte sie aber mit Reißverschlüssen befestigen. Das ist zum einen recht teuer, wenn man mehrere Klappen will und zum anderen hasse ich eigentlich Reißverschluss annähen. Hat es einen bestimmten Grund, dass du die Flauschseite an die Klappe genäht hast? Ich hätte es spontan andersrum gemacht, damit die Klettseite nicht an der Jacke klettet, falls ich die Klappe mal versehentlich etwas krumm befestige.

    Den Kommentar deiner Tochter hätte ich mir bei meiner auch gut vorstellen können. Mir gefällt die Idee, ich habe hier noch so eine lilane Matte rumliegen…

    Liebe Grüße, Gaby

    1. Hallo Gaby, ich habe die Flauschseite nicht an die Klappe genäht, sondern an die Tasche. Aus genau dem Grund, den du nennst! So zeigt das Hakenteil an der Klappe jedenfalls zur Tasche und kann nicht an Kleidung hängen bleiben. Habe ich das im Text andersrum geschrieben? Muss ich gleich noch überprüfen.
      Ich habe noch ausrangierte Badematten in Gelb und Dunkelblau. 🙂 Ich find’s praktisch. Für wenn ich mal wo bin, wo es keine Matte im Bad gibt. 🙂 Ich hasse das nämlich, mit feuchten Füßen aus der Dusche auf einen kalten Fliesenboden steigen zu müssen. Liebe Grüße, Gabi

  5. Ich hatte ja noch auf eine kleine Übersicht mit den bereits fertiggestellten Taschenklappen gehofft. Die ja alle etwas Besonderes sind. Die Bademattenklappe ist allerdings das i-Tüpfelchen.
    LG heike

  6. Austauschbare Taschenklappen klingt super! Aber mir würden schon deine beiden Basisversionen genügen ;). Wobei die Badematten-Klappe schon was Besonderes ist. Dann bin ich gespannt auf deine weiteren Versionen und wie oft du die Klappen auch wirklich wechselst. LG Gabi

    1. „Wie of du deine Klappen auch wirklich wechselst“ – darauf bin ich auch am meisten gespannt! Ich stelle mir aber vor, dass häufig. Weil ich ja die Klappe jeweils ganz schnell austauschen kann, passend zu den Schuhen. 😉 Ein bisschen Spleen darf frau in meinem Alter kultivieren! Liebe Grüße, Gabi

  7. Deine Idee mit den austauschbaren Taschenklappen finde ich klasse, wie schnell das geht konnte ich ja schon sehen. Auf die vielen neuen und vielleicht auch lustigen Varianten freue ich mich schon. Ideen für die künftigen Stoffspielereien sammle ich auch bereits. Herzliche Grüße von Tyche

  8. Ja, sehr cool!
    Die Badematte ist doch gut wiederverwertet.
    Ich mag solche Ideen und Hauptsache es gefällt dir, du „musst“ ja damit rumlaufen.🤣
    Viel Spaß und Erfolg für die noch folgenden Taschenklappen.
    Liebe Grüße
    Eva

    1. Gell? Ich find auch, dass das ein super Upcycling ist. „Diese Jugend“ versteht das nicht. 😂 Ich habe eine ganze Menge Ideen für weitere Taschenklappen. Wie ich mich kenne, werde ich trotz großer Auswahl wahrscheinlich trotzdem meistens die beiden Basic-Klappen verwenden. Das macht aber nichts. Ich freue mich auch aufs Herstellen mit verschiedenen Techniken: „Der Weg ist das Ziel“ und so. Liebe Grüße, Gabi

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