Nähfuß-Reportage Teil 3

Heute geht es weiter mit Teil 3 meiner Entdeckungsreise in die Welt der Nähfüßchen, unter anderem mit Helfern fürs Quilten, Sticken und Einfassen. (Dank an die heutigen Stoffspielereien bei Ines, die mich nach kaum vier Jahren zur Fortsetzung meiner Nähfüßchen-Serie animiert hat…)

(1) Universalfuß; (2) Geradstichfuß; (3) Patchworkfuß; (4) Klarsicht-Stickfuß; (5) Teflonfuß; (6) Knopfannähfuß; (7) Knopflochfuß; (8) Reißverschlussfuß; (9) Reißverschluss- bzw. Paspelfuß; (10) Fuß für verdeckte Reissverschlüsse; (11) Kordelfuß; (12) Obertransportfuß mit Lineal; (13) Stopf- und Stickfuß; (14) Bandeinfasser; (15) Blindstichfuß; (16) Rollsaumfuß; (17) Biesenfuß; (18) Kräuselfuß; (19) Markierfuß; (20) Overlockfuß; (21) Stopfplatte; (22) Abstandshalter

(11) Kordelfuß

Schneiderherz nennt dieses Füßchen „Schnurfuß dreifach“, bei Brother heißt er auch „Kordeleinnähfuß“. Man führt dünne Kordeln oder Wollfäden durch die Führungen auf einer Lamelle an der Vorderseite und näht sie mit einem geteilten Zickzackstich fest.

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Außer als Zierde kann ich mir das nicht wirklich vorstellen, und da eher nur mit einem einzigen, dickeren Faden, der in der Mitte läuft, wie Ines das beim Strickwarenfuß zeigt. Ich habe es mit folgenden Einstellungen ausprobiert („D“ ist auf meiner Maschine ein dreifach geteilter Zickzackstich):

Und es hat überraschend gut funktioniert, wie im folgenden Video zu sehen. Ich musste die Kordeln (hier Häkelgarne) dafür relativ straff halten.

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(12) Obertransportfuß mit Lineal

Meine alte Nähmaschine hat leider keinen zuschaltbaren Obertransport, aber dieses Zusatzfüßchen, das ich extra bestellt habe, ist echt sein Geld wert! Ich verwende es inzwischen wahnsinnig gern, wenn ich mehrere dicke Lagen habe, wie zum Beispiel beim Quilten mit geraden Stichen. Aber auch bei dehnbaren oder leicht flutschigen Stoffen wie feiner Viskose oder dünnem Jersey ist das Füßchen superpraktisch, weil eben – wie der Name schon sagt – die oben liegende Stoffschicht ebenfalls mit-transportiert wird.

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Dieser Obertransportfuß wird anstelle der Halterung für andere Füßchen fesgeschraubt, und man muss darauf achten, dass der Hebel über der Feststellschraube für die Nadel zu liegen kommt. Dann wird dieser Hebel synchron mit dem Heben und Senken der Nadel mitbewegt, und öffnet und schließt die Klemme, die auch den Oberstoff festhält.

Weil der Durchlass für die Nadel breit genug ist, kannst Du mit dem Obertransportfuß auch Zickzack und alle Zierstiche nähen. Die einzige Einschränkung bei mir ist: Die Stofflagen dürfen nicht zu dick werden, weil ich die Höhe bzw. den Druck des Füßchens nicht verändern kann.

(13) Stopf-, Quilt- und Stickfuß

Bei diesem Füßchen, das zum Freihandquilten und Stopfen und Sticken gedacht ist, finde ich es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wie es mit jedem Nadelstich mitwippt. Damit Du damit wirklich Freihandquilten kannst, musst Du außerdem den Untertransport entweder ausschalten oder durch eine Abdeckplatte neutralisieren.

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Beim Nadelbriefchen „Rapunzel“ habe ich dieses Füßchen erstmals ausprobiert.

Der Plastikstickfuß behindert etwas die freie Sicht. Die „Stopfplatte“ (#21 in meiner Übersicht) verdeckt den Untertransport und ermöglicht das Freihandsticken erst.

Entweder Du hältst den zu bestickenden Stoff gut fest, oder feinere Teile kannst Du auch gut in einen Stick- oder Quiltrahmen einspannen.

Von Blümchen zu Blümchen freihand vorgearbeitet beim „Rapunzel“ Nadelbrief.

(14) Bandeinfasser

Ein Stoffstück mit Schrägband einfassen ist tatsächlich immer noch eine meiner ungeliebtesten Tätigkeiten beim Nähen: Ohne geeignetes Hilfsmittel ist es fast unmöglich, so ein Schrägband sauber anzunähen, sodass die Naht auf der Vorderseite und Rückseite gleich weit vom Rand entfernt ist. Deshalb vermeide ich auch Schrägbänder, wo immer es geht.

Dabei hätte ich eigentlich schon lange diesen Bandeinfasser, den ich soeben wiederentdeckt habe! Ein Video auf Facebook lässt die Verarbeitung eigentlich ganz einfach aussehen…

Cool an dem Teil: Ich kann das Füßchen sowohl an die Breite des Schrägbands anpassen (5-20 mm) als auch mit einem Schräubchen die Position der Nadel über dem Schrägband feinjustieren. (Gut für Menschen wie mich mit alten Nähmaschinen, bei denen die Nadelposition nicht feinjustierbar ist.)

Ein erster Versuch mit meinem Bandeinfasser verlief vielversprechend.

(15) Blindstichfuß

Meine wahrhafte Neuentdeckung in dieser Runde Nähfüßchen-Vorstellung ist der Blindstichfuß! Es war mir tatsächlich nicht bewusst, dass er zum fast unsichtbaren Säumen von Hosen oder Röcken gedacht ist. (Bisher habe ich immer und am liebsten per Hand blind gesäumt.)

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Hierfür braucht es zweiterlei Vorbereitungen: Einerseits musst Du den Saum in der gewünschten Breite umbügeln und in ca. 5 mm Abstand zum Rand heften. (Ich habe schwarz geheftet, damit man es besser sieht.) Andererseits musst Du auf Deiner Maschine einen „Blindsaumstich“ einstellen. (Schau am Besten in Deiner Bedienungsanleitung nach, welcher das ist.)

Dann schlägst Du den Saum entlang der Heftstiche zurück und legst ihn mit der linken Seite nach oben unter das Füßchen. Mit der Stellschraube passt Du die Führungsschiene so an, dass die Nadel eng am rechten Stoffrand entlangnäht und nur jeder vierte oder fünfte Stich den Saum auf der linken Seite erwischt. Je genauer Du arbeitest, je weniger vom Saum Du mitnimmst (aber noch genug, um den Saum festzuhalten), desto kleiner werden die sichtbaren Stiche auf der rechten Stoffseite. (Hier in Rot, des Kontrastes wegen, und relativ groß. Es besteht Potenzial zur Optimierung.)

Ablauf einer Blindstich-Naht mit der Nähmaschine.
(1) Den Saum bügeln und heften. (2) Den Blindstichfuß so einstellen, dass die Nadel den Saum gerade noch erwischt. (3) Mit dem „Blindsaumstich“ Deiner Nähmaschine nähen. (4) Auf der rechten Stoffseite sieht man nur jeden 4. oder 5. Stich, mit dem der Saum punktuell festgehalten wird.

(16) Rollsaumfuß

Der letzte der heute vorgestellten Nähfüße ist der Rollsaumfuß: Er ist ideal zum Nähen eines glatten, schmalen Saumes auf leichten Stoffen (wie z.B. bei Geschirrtüchern). Ich finde dieses Füßchen ganz großartig, weil es so viel kleinfizelige Bügelarbeit erspart. Es ist auch mit Sicherheit eines der Füßchen, die schon ganz früh verwendet wurden: Ein Rollsaumfüßchen war bei der Grundausstattung meiner Wertheim Nähmaschine dabei.

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Im Video sieht das so einfach aus, und auch den Bericht von Martina Machwerke, die den Rollsaumfuß schon vor einigen Jahren bei einer Stoffspielerei ausführlich mit verschiedenen Materialien getestet hat, habe ich schon mehrmals gelesen. Aber bei mir will der Rollsaum nicht so recht klappen. Vielleicht verwende ich zu flutschige Materialien und sollte es auch einmal mit „Bändigen mittels Sprühstärke“ versuchen.

In der Zwischenzeit ruht das Rollsaumfüßchen bei mir. Wenn ich einen Rollsaum brauche, zum Beispiel an einer feinen Bluse, folge ich einfach der Methode „fake Rollsaum“ (Anleitung auf Englisch), die Ines (Nähzimmerplaudereien) einmal entdeckt und empfohlen hat. Das klappt auch ohne spezielles Nähfüßchen.

Zwischenfazit

Welche von den heute vorgestellten Füßchen verwendest Du? Gab es Neuentdeckungen? Welche Füßchen hältst Du für sinnvoll, welche weniger?

Ich bin wieder gespannt auf Deinen Kommentar!

Und heute freue ich mich auch besonders darauf, die neuen Beiträge der anderen Stoffspielerinnen zum Thema „Nähfüßchen“ zu lesen, diesmal gesammelt von Ines Nähzimmerplaudereien, die selbst mit dem „Spanischen Hohlsaum“, einem „Strickwarenfuß“ und verschiedenen „Kordelaufnäheinsätzen“ experimentiert hat. Schau rüber und hol Dir Ideen, wie Du Dir Dein Näherinnen-Leben mit Nähfüßchen leichter machen kannst.

Die Stoffspielereien gehen in die Sommerpause. Das nächste Mal treffen wir uns am 26. September 2021 zum Thema „Risse und Schlitze“ bei nahtlust. Vielleicht hast Du ja Lust, beim nächsten Mal mitzumachen?

Die Nähfuß-Reportage bei madewithbluemchen

  • Teil 1: (1) Universalfuß, (2) Geradstichfuß, (3) Patchworkfuß
  • Teil 2: (4) Klarsicht-Stickfuß, (5) Teflonfuß, (6) Knopfannähfuß, (7) Knopflochfuß, (8) Reißverschlussfuß, (9) Reißverschluss- bzw. Paspelfuß, (10) Fuß für verdeckte Reissverschlüsse,
  • Teil 3: (11) Kordelfuß, (12) Obertransportfuß mit Lineal, (13) Stopf- und Stickfuß, (14) Bandeinfasser, (15) Blindstichfuß, (16) Rollsaumfuß
  • Teil 4: (17) Biesenfuß, (18) Kräuselfuß, (19) Markierfuß, (20) Overlockfuß, (21) Stopfplatte, (22) Abstandshalter.

Quellen

8 Kommentare

  1. Liebe Gabi,
    schön dass Deine informative Reihe hier eine Fortsetzung findet. Ausprobieren von Nähzubehör finde ich immer spannend, dann ist man gewappnet für den Fall einer möglichen Anwendung.
    Deine Vorstellung ist gut anschaulich bebildert.
    Den Bandeinfasser habe ich bisher selten genutzt da es oft nicht nur geradeaus einzufassen gilt. Rundungen kann ich mir vorstellen, aber Ecken … Die Tücken stecken oft in Detail.
    Einen Oberstofftransportfuß habe ich zu meiner elektronischen Brother. Hier traue ich mich nicht, rückwärts zu nähen. Einen City Sampler habe ich damit gequiltet. Jerseynäher entdeckten den Fuß gerade in Kombination mit älteren Maschinen.
    Mit dem Stick- und Stopffuß in verschiedenen Varianten will ich mich zum quilten noch näher anfreunden. Nadelmalen hatte ich damit in einem Kindernähkurs praktiziert.
    Der Blindstichfuß ist vielseitig und gibt eine exakte Führung für schöne Ergebnisse.
    Der Rollsaumfuß benötigt Feingefühl und Übung. Eine gestärkte Gardine habe ich damit seitlich eingerollt. Es gab ein paar Stellen, an denen es raus gerollt ist.
    Auch ich finde es wichtig, das Nähzubehör zu kennen, nur so kann es uns nutzen. Eine schöne Reihe.
    LG Ute

    • Du hast Recht: Mit dem Bandeinfasser um die Ecke, das kann ich mir auch nicht gut vorstellen. Aber ich denke bei dem Bandeinfasser auch eher an die offenen äußeren Kanten von zum Beispiel einer riesigen Badetasche. Sehr feine Rollsäume sind mir jetzt übrigens an feinen, alten Taschentüchern aufgefallen! Dort ist ein dicker Wulst-Rand besonders unbequem. Jetzt fehlt nur noch der abschließende Teil 4 meiner Reihe – ich bin motiviert! Liebe Grüße, Gabi

  2. Der Rolllsaumfuß funktioniert bei mir am Besten, wenn ich Vorarbeit leiste und den Anfang der Naht „normal“ nähe- so ungefähr 1- 2 cm. Wenn ich dann den Stoff entsprechend in den Fuß einfädle, klappt es ganz gut. Aber da mein Fuß relativ breit säumt, benutze ich ihn tatsächlich wenig für Kleidung und eher für Geschirrtücher oder Karnevalskostüme.

    • Danke für den guten Tipp! Jetzt wo Du es schreibst denke ich, das ist wahrscheinlich wirklich die sicherste Variante, die ersten Zentimeter „normal“ umzubügeln und zu nähen. Ich probier’s gerne aus! Liebe Grüße, Gabi

  3. Ein schöner Überblick! Gut, dass Du hier alles gesammelt hast, das ist ein nettes Nachschlagewerk! Den Blindstichfuß habe ich auch – ich habe mir jedoch überlegt, ich bleibe für unsichtbare Säume beim Nähen mit der Hand 😉 Den Rollsäumer finde ich auch sehr spannend – die Schwierigkeit für mich ist jeweils die Ecke, wenn zuvor schon die Kante mit Rollsaum genäht wurde. Ich habe im Zuge der heutigen Stoffspielerei auch die Tipps von Frau Machwerk versucht mit dem 2 1/2 mm Rollsäumer umzusetzen, leider ist es mir noch nicht gelungen, dass sich der Stoff am Anfang doppelt umlegt. Nun ja, Übung macht den Meister 😉 Liebe Grüße!

    • Ich gebe Dir völlig Recht: Für wirklich unsichtbare Säume ist der Blindstichfuß denke ich wirklich nicht geeignet, das müsste zu exakt sein. Und bei den Rollsäumen ist es wahrscheinlich wie bei Knopflöchern: Hast Du einmal ein Dutzend gemacht, schwuppt es. (Sprich: Ich bräuchte einfach mal einen Nachmittag Übung, oder auch zwei, und dann würde es glaube ich besser klappen.) Bei Dir drüben muss ich noch lesen! Liebe Grüße, Gabi

  4. Wow, was für ein Reichtum an Wissen und Informationen du hier präsentierst. Vielen Dank. Da werde ich sicherlich das eine oder andere Mal wieder darauf zurückkommen, nachlesen und ausprobieren. Das Thema „Füßchen“ finde ich sehr spannend und vor allem liebe ich es, die verschienen Möglichkeiten und Variationen auszuprobieren. Toll.
    Liebe Grüße
    Ute

    • Hallo liebe Ute, ich hoffe, dass Du die Informationen das eine oder andere Mal brauchen kannst! Vier Jahre hat es gedauert, bis ich mich – dank Ines‘ Themenwahl – aufgerafft habe, die Reihe doch zu komplettieren. Und wieder was gelernt habe. Ich finde den Ideenreichtum faszinierend, der hinter Nähfüßchen steckt. Wer sich DAS alles für die unterschiedlichen Zwecke ausgedacht hat! Liebe Grüße, Gabi

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