Stoffspielereien im März: Keith Mola

Heute ist Clara aka bimbambuki Gastgeberin der Stoffspielereien zum Thema „Pop Art“. Ich habe ein Sitzkissen in Mola Technik mit einem Motiv von Keith Haring gewerkelt.

Ich wusste bei unserem heutigen Thema gleich: Ich möchte was von Keith Haring machen. Vor x Jahren habe ich eine Ausstellung mit Originalwerken im KunstHaus Wien gesehen. Ich mag seine klaren, grafischen, poppigen graffiti-artigen Arbeiten sehr.

Zusätzlich konnte ich auch noch unser Februar-Thema Stoffschichten aufgreifen, wie schön. Die Reverse-Appliqué Technik, in der ich gearbeitet habe, wird „Mola“ genannt und kommt aus Zentralamerika, wo sie von Panama bis Columbien genäht wird. Vor allem verbunden wird die Technik mit den labyrinth-artigen Motiven der Kuna (eine indigene Gruppe in Panama), die sich für die Urheberrechte an ihrer Textilkunst sogar mit großen Textilkonzernen anlegen.

Ich weiß nicht, ob der leider sehr früh verstorbene US-amerikanische Künstler Keith Haring je von der Mola-Technik gehört hat. Aber das Bild, das ich für diese Stoffspielerei gewählt habe, hat mich sofort an die Labyrinthmuster erinnert. Und da ich seit dem Nadelbrief „Punkte“ (2019), bei dem ich die Technik erstmals ausprobiert habe, ein Kissen für unsere Banktruhe im Vorzimmer in Mola Technik nähen wollte, kam eines zum Anderen: Thema „Pop Art“, Technik „Mola“ und dazu ein praktischer Nutzen für das entstehende textile Produkt. So mag ich das am liebsten, denn dann bringe ich das Projekt auch zu Ende.

Unsere Banktruhe im Vorzimmer vorher und nachher

Die größte Herausforderung für mich war wieder einmal das Übertragen des Motivs auf den Stoff. Ich habe das Bild vergrößert und als Poster zum Kleben ausgedruckt. (Mit Posterazor geht das unabhängig von Windows oder Mac im Browser.)

Mit einem herkömmlichen Schnittmusterpapier und einem Zahnrädchen habe ich die großen Linien des Musters ganz klassisch durchgepaust. (Wann habe ich eigentlich dieses Zahnrädchen zuletzt verwendet? Keine Ahnung, aber das ging super!) Zuerst weiß auf den schwarzen Stoff, was gut funktioniert hat, bis ich draufgekommen bin, dass ja eigentlich der weiße Stoff die oberste Schicht sein sollte. Das gelbe Schnittmusterpapier war auf dem weißen Stoff fast nicht zu sehen, deshalb habe ich alle Linien noch einmal mit einem roten Stift nachgezogen, der durch Hitze (beim Bügeln) verschwindet.

Mit einem Schnittmusterpapier und einem Kopierrädchen ging das erste Durchpausen auf Schwarz super. Mit einem Kreidestift habe ich manche Linien nachgezogen

Der Rest war Fleißarbeit: Stück für Stück habe ich den weißen Stoff zwischen den Linien aufgeschnitten, die offenen Kanten untergeschlagen und in rund 6,5 Stunden auf beiden Seiten mit kleinen Stichen auf den roten Untergrund gesäumt. So entstanden die roten „Linien“ als Reverse Appliqué. (Umgekehrtes Applizieren, wo nicht etwas oben drauf genäht, sondern der Untergrund freigelegt wird.)

Vor allem an den Rundungen brauche ich viele Stecknadeln.

Die zahlreichen kleinen schwarzen Motive habe ich hingegen oben auf den weißen Stoff drauf appliziert: Auf die Rückseite des schwarzen Stoffes habe ich Vliesofix gebügelt (ein beidseitig klebendes Vlies), dann habe ich in noch einmal rund 6,5 Stunden die squiggeligen Formen ausgeschnitten, wobei ich einfach die Papiervorlage als Schablone auf den schwarzen Stoff gelegt und mitgeschnitten habe.

Schwarze Teile mit dem Papier als Schablone direkt ausschneiden.

Die schwarzen Teile anordnen, aufbügeln, fast fertig. Nur die kleineren roten Flecken an den Rändern (in der Diashow die längste Zeit blau markiert) habe ich mir für den Schluss aufgehoben, was gut war: So konnte ich die roten Durchbrüche an die noch freien Flächen zwischen den schwarzen Kringels anpassen. Hier die Entstehung der Arbeit im Zeitraffer:

Das fertige Sitzkissen hat die Größe 74×37, das Motiv ist 45×33 cm groß. Insgesamt sind rund 20 Stunden Arbeitszeit hineingeflossen: Ein eher größeres Projekt. Es hat sich aber gelohnt, finde ich. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Der neue Überzug gefällt mir in unserem Vorzimmer viel besser als der alte! Und da die Banktruhe direkt neben der Wohnungstür steht, können wir den neuen Bezug auch häufig bewundern.

Unsere Banktruhe im Vorzimmer vorher und nachher

Unsere heutige Gastgeberin bei den Stoffspielereien ist Clara alias bimbambuki, sie sammelt heute die Beiträge. Schau unbedingt rüber zu ihrem Beitrag und lass Dich von den vielfältigen Beiträgen inspirieren! Pop Art, das wird sicher bunt und knallig. Ich freu mich aufs Lesen!

Ende April bin ich Gastgeberin zum Thema „Fransen“. Vielleicht machst Du nächstes Mal auch mit bei den Stoffspielereien? Ich würde mich freuen.

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit?

Die nächsten Termine:

25.04.2021: „Fransen“ bei made with Blümchen
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du bei „Siebensachen zum Selbermachen“. Meine Beiträge zu den Stoffspielereien sind hier versammelt.

Das ist drin

  • Vorlage: Motiv von Keith Haring, „unbenannt“ von 1983
  • Material: Stoffe weiß, rot und schwarz aus meinem Vorrat
  • Kosten: unbedeutend
  • Werkzeug: Handnähnadel, viele Stecknadeln, feine Schere, Garn
  • Arbeitszeit: insgesamt rund 20 Stunden
  • Fazit: Nichts für „schnell mal genäht“, aber als Langzeitprojekt mit Handnähen sehr meditativ.

29 Kommentare

  1. Wie woanders schon geschrieben: Eine wunderbare Umsetzung des Themas in einer perfekt dazu passenden Technik!
    Ich liebe Molas und bewundere sehr, wie die Kuna es schaffen, die Autonomität ihres Territoriums, ihrer Lebensform und Kultur zu verteidigen. Mein vielreisender Bruder hat das Inselarchipel einmal besucht (weil ich unbedingt ein textiles Mitbringsel von dort wollte…) und einige Tage dort verbracht. Er war sehr beeindruckt von den Persönlichkeiten, auf die er dort traf. Ihre Arbeiten verkauften sie damals schon nur über eine gemeinsam geführte Galerie in der Hauptstadt, um Originalität und faire Preise selbst in der Hand zu haben.
    Viele Grüße, Bele

    • Liebe Bele, herzlichen Dank für diese Hintergrundinformationen! Das heißt, du besitzt ein Original Mola-Werk, wie cool. Das würde ich mir gerne mal anschauen. Sei herzlich gegrüßt!

      • Liebe Gabi, kommt Zeit, kommt hoffentlich Gelegenheit! Du wolltest mir ja ohnehin das Mähen mit der Sense zeigen, wenn ich mich recht erinnere und die zu mähende Wiese säe ich gerade erst ein 😉
        Herzliche Grüße zurück!

  2. mirellchen

    Wow, du hast wirklich ein bleibendes Werk geschafften! Das ist ein echter Hingucker auf der Banktruhe und sehr gut im Alltag integriert.
    LG Mirella

    • Ich freue mich jedes Mal, wenn ich an der Bank vorbeikomme, die direkt neben unserer Wohnungstür steht. Es ist ein sehr gutes Gefühl, dass ich endlich eine Gelegenheit hatte, das Projekt umzusetzen, das mir seit Jahren im Kopf umgeht. Liebe Grüße, Gabi

  3. War ich doch schon hier und wollte dann später fürs Kommentieren kommen. Irre aufwändig deine Arbeit! Ich kenne Bilder dieser Technik von Reisenden aus Afrika. Die Arbeit hat sich echt gelohnt und erfreut sicher nicht nur die Sitzbank. Wahrscheinlich hätte ich es komplettt auf die Kissenlänge erweitert, aber der Blauanteil verstärkt nun den Kontrast.
    Viele Grüße, Karen

  4. Eine wunderschöne Fleißarbeit. Das hat sich wahrlich gelohnt. Die Haring-motive mag ich auch sehr. Auf eine Kombination mit Mola wäre ich nicht gekommen, hätte vielleicht mit geschnittener Klebefolie gedruckt. Das wäre aber nicht so schön geworden.
    LG Ute

    • Ein Druck mit Klebefolie oder auch ein zweifarbiger Siebdruck wären sicher auch möglich gewesen, aber ich wollte daraus absichtlich ein großes Handnähprojekt machen. Dein Lob freut mich sehr, dankeschön! Liebe Grüße, Gabi

  5. Whoo- wie toll umgesetzt.
    Das ist ein herrliches Kissen geworden.
    Solche Applikationen finde ich ja grandios, sauber und richtig schöne Zeitfresserchen. Das werde ich in dem Jahr unbedingt auch mal probieren. Danke für deine Erläuterungen!!

    • Sehr gerne, liebe Martina. Wenn Du als Queen des Handnähens (ich sage nur: aufwändige Projekte à la Alabama Chanin) begeistert bist, freut mich das sehr! Ich wiederum habe schon lang Alabama auf meiner Liste der Wunschprojekte, vielleicht geht es sich ja dieses Jahr aus. Liebe Grüße, Gabi

  6. Ganz fasziniert habe ich die Entstehung de Kissens gelesen. Danke für die Teilung de Tooles zur Vergrößerung des Motives, das habe ich mir gleich gespeichert. Deine vorgestellte Technik gefällt mir gut, und das Ergebnis sowieso. Liber Gruß Jeanette

    • Ich habe zum Vergrößer und als Poster Ausdrucken ein bisschen herumgesucht und ausprobiert und mit geärgert, warum das mein Mac nicht einfach von Haus aus kann, also wirklich… Fein, wenn Du den Link brauchen kannst! Liebe Grüße, Gabi

  7. Idee und Umsetzung sind einfach großartig, liebe Gabi. Wie schön die Figuren und Formen durch die von dir gewählten klaren, strahlenden Farben wirken können. Auf diesem Kissen sitzt man sicher gern, aber noch lieber guckt man es sich wahrscheinlich im Vorbeigehen an, weil es da im Gewusel so viel zu entdecken gibt.

    Danke auch für das Vorstellen der Mola-Technik. Negativ-Applikationen und Needle-Turn kannte ich, aber diese spezielle Technik nicht.

    Herzliche Grüße aus der Ferne und lieben Dank fürs Zeigen!

    • Dankeschön, liebe Clara! Die Farben stammen vom Original, ich habe einfach abgekupfert. Needle-Turn hatte wiederum ich nicht auf dem Schirm, habe mir aber gerade ein bisschen auf Youtube angeschaut, das ist dem hier sehr ähnlich. Liebe Grüße zurück in die Ferne!

  8. Super toll, da hast du dich aber wieder ganz tief ins Thema begeben und so tolle Ergebnisse erzielt. Ja die Molatechnik finde ich sehr beeindruckend, aber ich habe mich noch nicht daran gewagt. Dein Kissen ist besonders schön geworden.

    • Du kannst dich ruhig daran wagen, das ist nicht schwierig. Wenn Du eine Hose oder einen Rock säumen kannst, kannst Du auch Reverse Appliqué. Na gut: Um manche Rundungen bzw. Spitzen wird es ein wenig frickelig, aber solang du großzügige Rundungen und lange Geraden hast, ist es nicht schwer. Immer nur kleine Strecken aufschneiden – säumen – aufschneiden – säumen, … So geht es Zentimeter für Zentimeter voran. Nicht schnell, eher meditativ. Liebe Grüße, Gabi

  9. Ha, an Keith Haring-Männchen habe ich auch gedacht. Aber nicht in Molatechnik. Ich wäre sicher nicht mit 16 Stunden ausgekommen. Das fröhliche Kissen macht bestimmt gute Laune!
    Liebe Grüße
    Annelies

    • Das macht es, es macht gute Laune! Vor allem an dem Platz im Vorzimmer, wo wir mehrmals täglich vorbeikommen. Liebe Grüße, Gabi

  10. Passt super an dem angedachten Platz! Das wird fein! Aber fast zu schade, um sich draufzusetzen…
    Ich kann mir gut vorstellen, wie aufwändig Mola ist. Das kommt bestimmt nie auf meine muss-ich-auch-mal-ausprobieren-Liste (aber die ist auch so lang genug)
    Liebe Grüße Christiane

    • Jaaa, fast zu schade. Oder eben auch nicht. Ich bin gespannt, wie die kleinen schwarzen Teile mit dem Vliesofix sich mit der Reibung beim Draufsetzen entwickeln. So lange ich das Kissen nicht zu oft wasche, sollte das Vliesofix eigentlich halten? Mut zum Risiko. 🙂 Am Handnähen (ähnlich wie am Häkeln großer Decken) schätze ich inzwischen einfach, dass der Weg das Ziel ist. In kleinen Schritten zum Ergebnis. Das macht mir schon Freude. Aber muss ja nicht jede. Ich würde gerne mal auf Deine „muss-ich-auch-mal-ausprobieren-Liste“ schielen. Was steht denn da alles drauf? Liebe Grüße, Gabi

  11. Das Motiv ist super rausgekommen!
    Hast Du die schwarzen Stoffstücke nur aufgebügelt oder auch genäht (ich traue da nämlich immer nicht und steppe das immer fest)? Viel Arbeit, die aber durch das coole Ergebnis entschädigt wird.
    Liebe Grüße
    Ines

    • Derzeit sind die schwarzen Stoffstücke nur aufgebügelt. Ich bin gespannt, wie und wie lange das hält. Das Kissen wird wahrscheinlich nicht häufig gewaschen, aber wir sitzen doch relativ häufig beim Schuheanziehen auf dieser Bank. Ob das durch die Reibung der Allerwertesten sehr leidet? Ich gehe das Risiko ein. Das sind so viele schwarze Teile, und zum Teil so klein, da werde ich ja ewig nicht fertig, wenn ich die alle umnähe… Mit der Maschine steppen geht schon gar nicht: Viel zu viele Kurven und zu kleinteilig… Mal schauen. Liebe Grüße, Gabi

  12. WOW! Da hast Du Dich ja ganz vertieft! So viele Stecknadeln, so viele Handstiche! Ich finde es sehr schön, wenn die Werke der Stoffspielereien in den Alltag eingehen, so sieht man sie oft und kann sich daran erfreuen. Liebe Grüße!

    • Eigentlich hatte ich gar keine Zeit für dieses Projekt, weil ich gerade sehr in Arbeit stecke. Aber jeden Tag ein bisschen am Abend und ein bisschen am Morgen, und dann einen großen Batzen Zeit am Samstag investiert, um rechtzeitig fertig zu werden. Schön, dass mir die Stoffspielereien immer wieder Deadlines liefern. Ich mag den Schriftzug am T-Shirt bei Dir so gern! Für meinen Sohn hätte das wunderbar gepasst, als er noch kleiner war. Liebe Grüße, Gabi

  13. Eine wunderschöne Technik und dazu auch die Geschichte, sehr interessant!
    Auch den Platz mag ich sehr.
    Dort kann man das kleine Kunstwerk auch gut sehen.
    Hab noch einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüße
    Nina

    • Ja, ich mag den Platz im Vorzimmer auch sehr. Jedes Mal wenn ich das Kissen dort sehe, freue ich mich ein bisschen. Liebe Grüße, Gabi

  14. Siebensachen

    Super klasse! Wieder eine tolle Arbeit von dir! Und dann hat sie einen so schönen Platz, wo sie immer betrachtet werden kann. Ich hatte ursprünglich auch in diese Richtung gedacht: Keith Haring-Motive in Mola-Technik; habe es dann aber wieder verworfen, da ich Mola schon einmal gemacht hatte und auch wusste, wie aufwändig das ist und das war bei mir einfach im Moment nicht dran. Um so mehr freue ich mich, das jetzt bei dir zu sehen.
    LG
    Siebensachen

    • Ich habe die Idee eines Mola-Kissens fürs Vorzimmer jetzt beinahe zwei Jahre mit mir herumgetragen, und jetzt hat es einfach gepasst. Zeit hatte ich eigentlich keine für das Projekt, aber ich habe sie mir genommen. 🙂 Mit einem fixen Liefertermin geht es bei mir häufig leichter, der spornt mich an. Mit ein Grund, warum ich die Stoffspielereien so liebe. Mir gefällt Deine „Love“ Applikation so gut! Liebe Grüße, Gabi

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