Stoffspielereien im Jänner: Smocking

Stoff mit Honeycomb Smocking

Heute ist Martina vom Blog „Machwerk“ Gastgeberin, der Stoffspielereien: Sie hat das Thema „Smocking“ vorgeschlagen, und ich habe „honeycomb smocking“ ausprobiert.

Mein erstes „Aha“ bei diesen Stoffspielereien war es, als ich den Unterschied zwischen „smocking“ und „Biesen“ verstanden habe: Bei Biesen werden nämlich Falten längs festgenäht, beim Smocking werden Falten meist zunächst quer fixiert, und dann wird quer drüber genäht. Dadurch werden gesmockte Stoffe dreidimensional und sind oft quer elastisch.

Das tolle Buch „The Art of Manipulating Fabric“ von Colette Wolf (meine „Bibel“ in dieser Hinsicht) beschreibt mehrere Smocking-Varianten (English Smocking, Italian smocking, American Smocking), die unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen.

Inspiration aus dem Internet und aus „The Art of Manipulating Fabric“

„English Smocking“ zum Beispiel geht grundlegend so: (1) Man fixiert einen Stoff in gleichmäßige Falten, stickt (2) verschiedene Muster drüber und fasst die Falten damit zusammen. (3) entfernt man die Hilfsfäden wieder (!), die ursprünglich die Falten zusammengehalten haben. Martina hat diese Technik in ihrem heutigen Beitrag wunderschön ausgeführt und damit einen Einsatz für ein Kleid gestaltet.

Schritt 1 wäre also beim englischen Smocking, dass man mehrere parallele Reihen Hilfsfäden einnäht und diese zusammenzieht, wodurch der Stoff in Falten gelegt wird. Um diesen langwierigen Schritt zu verkürzen, gibt es sogar Smocking-Geräte! Faszinierend! Damit wird das Faltenähen ja zum reinsten Vergnügen! (Dieses Youtube-Video demonstriert, wie das funktioniert.) Solche Geräte gibt’s nicht nur antiquarisch, sondern kann man zu wohlfeilen Preisen ab 250,- Euro erwerben. Das zahlt sich denke ich leider nur aus, wenn man wirklich häufig oder gewerblich smockt.

Die Krux: Seit ich weiß, dass es so ein Hilfmittel gibt, habe ich nicht mehr besonders viel Lust auf Schritt 1…  🙂 Zum Glück gibt es aber für „honeycomb smocking“ (das Muster, das ich mir für diese Spielerei ausgesucht habe) auch eine Abkürzung, mit der man direkt zu Schritt 2 geht: Direct Smocking. Hierfür zeichnet man zunächst ein Punkteraster auf den zu bearbeitenden Stoff.

Ich habe ein Punkteraster ausgedruckt, unter meinen durchscheinenden Stoff gelegt und mit einem nicht-permanenten Marker auf den Stoff durchgepaust.

Das Muster und die Fältelung entstehen, indem man in einer gewissen Reihenfolge jeweils 2 Punkte zusammennäht. In diesem Video wird das sehr anschaulich gezeigt.

Man sticht durch einen Punkt rein und wieder raus, durch einen zweiten ebenfalls rein und wieder raus (Bild links), dann zieht man die beiden Punkte zusammen und stickt noch einmal drüber (Bild rechts).

Das ist eigentlich recht einfach und geht flott. Ich habe zwei Rasterabstände ausprobiert (1 Inch und 3/4 Inch). Erstens um es grundsätzlich auszuprobieren; Zweitens um zu schauen, welche Rautengröße für mein Projekt stimmiger ist. Und drittens, um herauszufinden, um wie viel der Stoff in der Breite „schrumpft“ bzw. zusammengezogen wird. (Lösung: Der Stoff wird etwa 4x schmaler.) Damit konnte ich berechnen, wie groß das Stoffstück sein muss, das ich für mein Nachthemd brauche. 

Blau ist mit einem 1-inch-Raster enstanden, rot mit 3/4-inch


Ein Nachthemd? Ja, ein Nachthemd. Als Kind hatte ich in den 1980ern nämlich ein Lieblings-Nachthemd mit einem runden, gesmockten Ausschnitt und kurze Flatter-Flügel-Ärmelchen. (Leider habe ich kein Foto gefunden. Ich hatte mir eingebildet, es gäbe eins.) Und bei meiner Sammlung zum Thema Smocking auf Pinterest ist auch ein hübsches Nachthemd aufgetaucht. Ich glaube, ich habe seit mindestens 30 Jahren keine Nachthemden mehr getragen, aber jetzt probiere ich das wieder.

Die Grundlage für mein Nachthemd (und auch für die Teststücke oben) ist naturfarbene „Etamine“, ein locker gewebtes, leichtes Baumwollgewebe, von dem ich mal für verschiedene Experimente 6 Meter zum Sonderpreis bei Jeromin in Mannheim bestellt habe. (Selbst bezahlt.) Als Vorlage für die Schulterpartie verwende ich das Schnittmuster Sorbetto Top, das ich bis auf Knielänge verlängere. Um die Mitte kommt durch die Raffung im Oberteil sicher genügend Weite zusammen. 🙂

Ich werden die obersten 20-25 cm smocken (wie eine Passe) und nähe dann wahrscheinlich eine zweite Lage Stoff dahinter, wie in diesem Tutorial gezeigt. Dadurch werden die Ränder der gesmockten Partie stabilisiert. Der Ausschnitt und die Ärmelausschnitte sollten sich danach gut weiter verarbeiten lassen.

Soweit so gut einstweilen für meine ersten Experimente – wofür die Stoffspielereien ja da sind! Im Lauf des Tages arbeite ich heute am Nachthemd und werde wahrscheinlich am Abend weitere Bilder einstellen. Also schau vielleicht morgen noch einmal hier vorbei, wenn Du Lust hast, um das Ergebnis zu bewundern. 🙂 

(Nachtrag: Bitte vielmals um Entschuldigung! Ich konnte das Nachthemd noch nicht fertigstellen. Das noch vorhandene helle Stickgarn hat nicht gereicht, und ich kann erst am nächsten Montag wieder eines kaufen gehen, wenn hier in Ö der Lockdown wieder aufgehoben wird. Gut Ding braucht Weile, besonders unter den derzeitigen Umständen!)

In der Zwischenzeit schau Dich unbedingt in der wunderbaren Sammlung großartiger Projekte um, die heute Martina von „Machwerk“ in ihrer Eigenschaft als Stoffspielerei-Gastgeberin sammelt. Lass Dich inspirieren und mach doch beim nächsten Mal auch mit – wir würden uns freuen! 

Die Stoffspielereien

Bist du auch eine Stoffspielerin?

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Machst du nächstes Mal mit?

Die nächsten Termine:

28.02.2021: „Stoffschichten“ bei Stoffnotizen
28.03.2021: „Pop Art“ bei bimbambuki
25.04.2021: „Fransen“ bei made with Blümchen
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien findest Du bei „Siebensachen zum Selbermachen“. Meine Beiträge zu den Stoffspielereien sind hier versammelt.

17 Kommentare

  1. Ein schönes Projekt. Durch die leichte Transparenz Deines Stoffes wirkt es wieder anders.
    Für das Stoffvolumen des Schnittes hat man sicher etwas Spielraum durch die Elastizität der Waben. Das Gewicht der Länge wird die Richtung der Waben beeinflussen.
    Ich bin gespannt wie Du den Ausschnitt gestalten wirst.
    LG Ute

  2. Ich liebe diese alte Technik und habe eine Sommerbluse, bei der das einmal rund um den Hals geht.
    Dein Vorhaben, so Dein Nachthemd zu verschönern finde ich wunderbar. Bin sehr gespannt, wie es dann wirkt.
    Und Hut ab vor der Arbeit die Du Dir da aufgehalst hast.
    Ganz liebe Grüße
    Gute Woche
    Nina

  3. Ein luftiges Nachthemd wird das, eine schöne Idee. Das durschlagen des Rasters ist eine gute Idee schöne Zeitersparnis. Einen Schal könnte ich mir auch wunderbar damit vorstellen. Lieber Gruß Jeanettte

  4. Guten Morgen, liebe GAbi,
    wow, ich bin beeindruckt! Ich habe das Smocking schon bei Ines bewundert – was für eine Arbeit! Auf das Nachthemd bin ich schon sehr gespannt. Ich meine mich zu erinnern, dass ich als Kind auch mal so ein Teil hatt… *lach*
    LG
    CHristiane

  5. Wie praktisch, dass das Raster durch den Stoff durchscheint und du dir das Abmessen auf dem Stoff sparen kannst. Das wird sicher ein schönes luftiges Nachthemd, ich bin gespannt.
    Herzliche Grüße über den Atlantik!

  6. Na dann gute Nacht, ich bin gespannt wie sich das dann im Sommer trägt. 🙂
    Das Material ist ja perfekt dafür.
    Und ich warte jetzt nur noch auf eine passende Ausrede, mir so einen Pleater zuzulegen, aber vermutlich werde ich nicht so schnell Großmutter. Deshalb wäre schöne Nachtwäsche schon mal ein Einstieg 🙂

  7. Liebe Gabi, ja, in dem Buch habe ich auch lange gestöbert, bin aber leider nicht in die Umsetzung gekommen. Um so schöner finde ich deine Arbeit und bin gespannt auf das Nachthemd. Ich will auch in der Nacht gut aussehen, deshalb kann ich das gut verstehen.
    LG Ute

  8. Sehr luftig und leicht wirkt Dein smoking. Ich bin gespannt, wie das Nachthemd aussehen und sich tragen lassen wird. Es wird sicher sehr edel, eigentlich viel zu schade für die dunkle Nacht, wo es keiner sieht. LG Gabi

  9. Ein Nachthemd ist wunderbar! Die Elastizität beim Schlafen ist wichtig.Schön, das auch du eine Kindheitssmokerinnerung hast und passenden stoff gefunden hast. Ich hatte an Batist gedacht, aber etamine kann ich mir echt gut vorstellen.
    VG karen

  10. verfuchstwp

    Vor gefühlt 100 Jahren habe ich mit meiner Oma einen Dirndlblusen Ärmel für mich gesmokt. Ich mag gesmokte Sachen sehr gerne! Nachthemd klingt sehr fein!

  11. Liebe Gabi,
    als Nachthemd eigentlich zu schade, aber Frau will ja schließlich auch in der Nacht gutaussehen. Das Buch von Colette Wolff habe ich auch hier und ist für mich immer wieder eine Inspiration. DerSchnitt des Sorbetto Tops ist wirklich perfekt für Deine Umsetzung. Weiterhin gutes Gelingen.
    LG Mirella

  12. Eine schöne Idee! Wirst Du den Ausschnitt im gesmokten Teil auch rund formen? Da habe ich mich nämlich schon gefragt, wie man das praktisch am besten machen könnte… Mir geht es beim Vergleich zwischen englischem und direktem Smoken ebenso – ich ziehe wohl den direkten Smok vor. Die kleinen Fältchen der englischen Variante waren mir bei meinen Probestück etwas zu beweglich. Ich bin gespannt auf den Bericht wie es heute mit Deinem Projekt weiter gegangen ist! Liebe Grüße!

  13. Interessant, dass das ganz ohne vorheriges Zusammenziehen hinbekommen hast. Auch Deine gewählte Stoffart ist mir ganz fremd. Ist das so in Richtung Mullstoff? Nun freue ich mich aufs Nachthemd!
    Liebe Grüße
    Ines

  14. Liebe Gabi, diese „Krux“ kommt mir sehr bekannt vor 🙂 Bei jedem Stich meiner Reihfäden musste ich daran denken, wie viel schneller das mit Pleater gehen würde und ob man so eine Maschine nicht nachbauen könnte.
    Honeycomb Smocking habe ich auch ausprobiert, aber wie immer bei den Stoffspielereien ist eines ganz wunderbar: dass jede auf andere Ideen und Inspirationen kommt. So ein Kleidungsstück mit honeycomb smocking würde mich auch noch reizen, aber ich hatte im kalten Januar keine Lust, eine luftige Bluse zu nähen. Vielleicht hole ich das im Sommer nach.
    Viel Spaß bei deinem Nachthemd, ich bin gespannt, wie es wird.
    Liebe Grüße Christiane

  15. Siebensachen

    Ja, Colettes Buch ist eine ewige Quelle von Anregung und Information. Ich hatte es auch zur Hand genommen. Dein geplantes Nachthemd wird sicher sehr schön werden, ich denke auch, dass du dafür den richtigen Stoff gewählt hast. Wir werden das fertige Exemplar dann sicher hier sehen.
    LG
    Siebensachen

  16. So eine ‚Bibel‘ gehört wohl noch in meinen Bücherschrank. Ich mag das luftige an deinem Entwurf und kann mir ein flottes Nachgewand wirklich gut vorstellen.
    Liebe Grüße, Elvira

  17. Liebe Gabi,
    An ein Nachthemd hatte ich auch zuerst gedacht, die gesmokten Partien bleiben ja weich und schmiegsam.
    Deine Methode, die Punkte zu markieren, ist ja super zeitsparend!
    Ich habe mir noch ganz altmodisch eine Zackenlehre gebastelt.
    Werde auf jedenfall wieder bei Dir vorbeischauen, um das fertige Nachthemd bewundern zu können.
    Liebe Grüße
    Tyche

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