Ein paar Paar Barfußschuhe selbst genäht

Fünf Paar selbst genähte Barfußschuhe, kreisförmig angeordnet

Heute schöpfe ich aus dem Vollen und zeige, was im Lauf der letzten vier bis fünf Jahre entstanden ist: Da habe ich nämlich eine Reihe Barfußschuhe genäht, jeweils passend zu meinen Lieblings- und Hauptfarben in der Kleidung, und teilweise auch zu Taschen. Aber die Taschen sind eine eigene Geschichte. Zunächst geht es heute mal um die Schuhe.

Mit dem Modell „Bigtaps“ hatte ich mich schon im Juli 2020 an Barfußschuhen versucht. Das ist also fünf Jahre her. Dieses erste Paar trage ich nicht mehr, weil ich sie etwas zu groß genäht habe, sodass ich regelmäßig fast auf die Nase gefallen wäre. Außerdem habe ich es nicht super gefunden, eine Laufsohle aus Vibram selbst zuzuschneiden und dann unten draufzukleben. Der Sohlenrand wird auf diese Weise nicht sehr schön, finde ich, auch wenn ich von mehreren Tipps gelesen habe, wie man den Spalt zwischen „Schaft“ (so nennt man das genähte Oberteil) und Gummisole schließen und versiegeln könnte.

Die Bigtaps Barfußschuhe waren mein erster Schuh-Versuch.

Damals bin ich jedenfalls auf die Facebook-Gruppe „Wir nähen Barfußschuhe“ gestoßen, die sogar immer noch aktiv ist (Stand Dez. 2025), in der es um Erfahrungsaustausch mit dem Selbernähen von Barfußschuhen geht. Viele Kinderschuhe und -puschen, aber auch Erwachsenenschuhe werden dort genäht, Tipps für Schnittmuster und Materialien gegeben. In dieser Gruppe wiederum bin ich auf die slowakische Firma BF Soles gestoßen, bei der man fertige Barfußsohlen plus Schuh-Schnittmuster für unterschiedliche Modelle erwerben kann. Von diesen Sohlen und Schnittmustern habe ich in den letzten vier Jahren mehrere gekauft und ausprobiert.

Alle meine Schuhe basieren auf der Barfußsohle „Madeila“ in Schwarz oder Weiß (selbst gekauft, selbst bezahlt). Diese Laufsohle ist aus einem Kunststoff in Spritzguss hergestellt, und ohne Einlagesohle nicht angenehm unter dem Fuß. Daher habe ich dünne Einlagesohlen aus Leder in der richtigen Größe fertig zugeschnitten gleich mitbestellt. Wenn man eine gute Lederquelle hat, kann man die Einlagesohlen auch selbst zuschneiden, denn eine Größenschablone ist bei jedem Schuh-Schnittmuster dabei. Für die Oberteile habe ich teils Kunstleder (alte Möbelstoff-Muster), teils Baumwoll-Canvas verwendet.

Wenn du jetzt denkst: „Schuhe nähen! Das muss ja extrem schwierig sein“, dann kann ich dir verraten: Es ist ganz einfach. Wenn du mit der Nähmaschine nicht nur geradeaus sondern auch Kurven nähen kannst, dann kannst du auch diese Barfußschuhe nähen. Oder eigentlich noch besser: Diese Schuhe kannst du sogar OHNE Nähmaschine, mit relativ wenigen Stichen von Hand nähen! Das fertige Oberteil wird zum Schluss sowieso per Hand mit langen Fäden rundherum an der Sohle befestigt. Das finde ich einen der großen Vorteile, wenn man diese Madeila Sohlen mit dem Schnittmuster in der gleichen Größe zusammen bestellt: Auf dem Schnittmuster für das Oberteil sind exakt die Stellen der Löcher im Sohlenrand markiert. Das ist dann zum Schluss wirklich sehr einfach zusammenzusetzen. In nicht ganz vier Stunden ist so ein Paar Barfußschuhe – inklusive Zuschnitt – fertig.

Die grünen mit der Schnalle

Barfußschuhe am Fuß, Detailansicht
Schnittmuster „Anela“ aus grünem Kunstleder

Mein erstes Modell Anela aus grünem Kunstleder mit Schnalle habe ich ungefüttert und offenkantig genäht. Ich finde es aber inzwischen besser, meine Schuhe mit Baumwollstoff zu füttern, weil ich das Klima im Schuh dann weniger heiß und schwitzig finde.

Details der grünen Schuhe: Die Schnalle wird auf einer Seite angenäht, auf der anderen Seite mit einem Druckknopf (hier ein CamSnap) versehen. Die Fersennaht wird mit einem außen liegenden Streifen verstärkt und von Hand zusammengenäht.

Das von mir bei diesem Modell verwendete grüne Kunstleder (aus einem aussortierten Möbelstoff-Katalog eines Möbelhauses) hat mehrere Nachteile:

  • Es franst es an den Kanten – dagegen würde das Verstürzen mit einem Futterstoff helfen.
  • Dann hat Kunstleder den Nachteil, dass es nach einiger Zeit ganz von allein kaputt geht. Dann löst sich die Kunststoffbeschichtung vom Trägermaterial (meist ein Bauwoll- oder Polyestergewebe), und man kann es nur mehr wegschmeißen. Das ist mir in letzter Zeit mit mehreren Sachen so gegangen, die ich vor 10 oder mehr Jahren gekauft habe: Eine Hülle für das Kindle; ein ausgeklügeltes Etui für Strick- und Häkelnadeln; und eben dieses grüne Kunstleder, aus dem ich auch eine Tasche „Le Croissant“ genäht habe, die sich jetzt auflöst. Schade um die investierte Zeit. Besser, du verwendest einen stärkeren Baumwollstoff, oder echtes Leder, das mit dem Alter immer schöner wird.
  • Und drittens habe ich in einem Forum gelesen – und ignoriert – dass man Möbelstoffe besser nicht für Barfußschuhe verwenden sollte, weil sie oft mit Chemikalien behandelt wurden, um wasser- und schmutzabweisend zu werden. Das willst du nicht direkt auf der Haut tragen.

Mein Fazit zum Schnittmuster „Anela“: Luftig für den Sommer. Durch die Schnalle mit Druckknopf hält der Schuh gut am Fuß. Ich werde die Sohle wieder verwenden und das Oberteil neu aus einem grünen Echtleder zuschneiden.

Die braunen mit Gummi

Barfußschuhe am Fuß, Detailansicht
Schnittmuster „Breeze“ aus braunem Kunstleder

Das nächste Modell, das ich ausprobiert habe, heißt Breeze und ist am Rist mit einem Gummi versehen. Auch dieses Paar habe ich aus einem Kunstleder (Möbelmuster) genäht, allerdings aus einem, das anscheinend länger hält.

Der Gummi hält den Schuh gut am Fuß und macht das An- und Ausziehen schnell und einfach. Allerdings habe ich die Fersenpartie etwas zu niedrig genäht, sodass die Ferse manchmal auch beim Gehen rausrutscht. Ich habe nachträglich auch an der Ferse einen kleinen Gummi eingenäht. Es hätte wahrscheinlich auch geholfen, wenn ich das etwas dehnbare Material mit einem stabilen Innenfutter verstärkt hätte.

Trotzdem trage ich dieses Paar recht gern.

Die roten mit Schnürsenkel

Barfußschuhe am Fuß, Detailansicht
Schnittmuster „Spirit“ aus rotem Stoff (Rest einer Jacke)

Mein bisheriger Favorit bei den BF Schnittmustern ist eindeutig „Spirit“ in der niedrigen Variante. Davon habe ich inzwischen drei Farbvarianten genäht: Ein mal aus einem roten Stoffrest einer Jacke (und daher farblich zur Jacke passend ☺️ ) , einmal aus einem alten grünen Sofabezug (Upcycling) und einmal aus einem alten blauen Sesselbezug (Upcycling).

Dieses Schnittmuster sitzt einfach toll an meinen Füßen!

Barfußschuhe am Fuß, Detailansicht
Schnittmuster „Spirit“ aus einem alten grünen Sofabezug (Upcycling)

Meine ultimative Upcycling-Variante war aber, dass ich Teile eines kaputtgeliebten Sommerschuhs wieder verwendet habe. Beim Zerlegen dieses gekauften Paars habe ich auch ein paar Dinge über die Konstruktion des Schuhsgelernt. Dieses Paar hatte unter anderem einen gepolsterten Rand, und in der Fersenkappe war zur Verstärkung ein Stück relativ steifes Plastik eingearbeitet. Die Fersenkappe war zerbrochen, die Sohle nach drei Sommern durchgelaufen, und an der Ferse war der Stoff aufgerissen. Dieses Paar war leider nicht mehr zu retten oder zu reparieren.

Ich habe es zerlegt, und ein paar dekorative Teile wiederverwendet.

Ein paar blaue Sommerschuhe Sneaker
Ein Paar kaputte Kauf-Schuhe

Besonders gefallen hat mir die Art, wie die „Zunge“ nicht mit Schnürsenkeln, sondern mittels Gummibändern fixiert war, wobei ein (dekorativer) Gummi außen lag, und ein (unsichtbarer) Gummi durch die Zunge geführt wird. Das nachzubauen war zwar etwas friemelig, hat sich aber gelohnt.

Der Schuh hält durch zwei Gummis: Einen außenliegenden und einen innenliegenden
Außengummi mit Klammern halten und eng an den Ösen vorbei von der linken Seite festnähen

Das Ergebnis waren meine allerliebsten Sommerschuhe der letzten zwei Jahre:

Barfußschuhe am Fuß, Detailansicht
Schnittmuster „Spirit“ aus blauem Stoff

Kein Mensch kommt auf die Idee, dass ich diese Schuhe selbst genäht habe! Die Sohle hat die Dauerbelastung bisher auch gut vertragen und ist noch nirgends durchgewetzt.

Das finde ich auch eines der allerbesten Dinge an diesen selbst genähten Schuhen: Dass ich sie selbst reparieren kann! Wenn der Schaft (der obere Teil des Schuhes) durchgewetzt ist, kann ich ihn entfernen und auf die Sohle – solang sie noch gut ist – wieder einen neuen Stoff nähen!

Und das ist bei genau diesem Paar auch wieder nötig, weil die Ferse durchgewetzt ist (nicht umsonst wird diese Stelle häufig verstärkt!) und an der Spitze der Nähfaden gerissen ist, die Verbindung zur Sohle. DAS ist übrigens noch ein heißer Tipp: Vewendet zur Vernähen der Sohle mit dem Schaft UNBEDINGT ein sehr starkes und gewachstes, spezielles Schustergarn! Normale Nähgarne reissen sofort, und das ist nicht lustig, alle zwei Wochen den Schuh neu nähen zu müssen…

Schuhe mit kaputten Stellen an Ferse und Spitze
Kaputte Stellen an Ferse und Spitze

Ich habe jedenfalls eine große Freude mit meinen bunten, selbstgemachten Sommerschuhen. An Winterstiefel habe ich mich noch nicht drangetraut, aber wer weiß!

Hast du jetzt Lust bekommen, dir auch ein Paar Barfußschuhe zu nähen?

Das ist drin

  • Schnitt/ Anleitung: Die Schnittmuster Anela, Breeze und Spirit von BF Soles, jeweils in Größe 39 (selbst gekauft).
  • Material: BF Soles Laufsohle Madeila in weiß und schwarz, Größe 39; Leder-Einlagesohle von BF Soles (alles selbst gekauft). Alle Stoffe und Garne aus dem Vorrat, teilweise Upcycling. Ösen und Ösenzange. Schnürsenkel aus dem Schuhgeschäft. Eine Rolle dicker, gewachster Faden, um den Schaft an der Sohle zu befestigen (!!! Essenziell!)
  • Kosten (2025): 2 Stück (1 Paar) Sohle € 15,-; 2 Stück (1 Paar) Einlagesohle aus Nubukleder € 5,-; Schnittmuster je € 15,-
  • Werkzeug: Nähmaschine. Diese Schuhe kann man aber auch einfach mit der Hand nähen.
  • Arbeitszeit: Ca. 4 Stunden pro Paar Schuhe
  • Fazit: Ich liebe es, mir farblich zur Kleidung passende Sommerschuhe selbst zu nähen! Und Taschen aus demselben Stoff (aber das ist eine andere Geschichte…)

Verlinkt bei

„Ich war… und aus mir wurde….“ bei Antetannis Bingo! 2025, wegen der ehemaligen Möbelstoffe, die zu Schuhen wurden.

Mein komplettes Bingofeld mit allen Projektlinks findest du hier: Antetannis Bingo! 2025

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