Eine Haspel aus Matador

Wenn man Wolle in Strängen kauft, muss man sie vor dem Verstricken zu Knäueln wickeln. Hilfreich dafür sind ein Wickler und eine Haspel. Letztere kann man kaufen oder selber bauen, zum Beispiel aus Matador (einem alten Holzspielzeug).

Wolle wickeln geht natürlich auch ganz technikfrei: Eine Person hält den Wollstrang auf den Armen bzw. Händen, eine andere Person wickelt das Knäuel mit der Hand. Das wird aber auf Dauer, wenn man viel strickt, mühsam.

Ich habe mir also zunächst einen billigen chinesischen Wickler zugelegt und meinen Mann zum Halten vergattert, aber immer wieder mal auf eine Haspel gelinst. Die Haspeln, die es zu kaufen gibt, sind häufig wie ein Regenschirm zusammenfaltbar. Es gibt sie meist in teuer und stabil aus Holz oder in billig und klapprig aus Draht. Alle diese Modelle brauchen für meinen Geschmack zu viel Platz.

Mein Ausgangsmaterial: Zwei Platten, vier lange Lochstäbe, sowie einige Holznägel vom Matador Kinderspielzeug

Es gibt natürlich auch so Menschen wie Fröbelina, die inzwischen so viel selbst spinnt und daher wickeln muss, dass sie eine elektrische Garnwickelstation entworfen hat. Hut ab und großer Respekt! Wenn ich mal zu spinnen anfange (also „Garn spinnen“, weil „im Kopf spinnen“, das tu ich schon lange, aber das zählt nicht!), dann brauche ich glaube ich auch unbedingt so ein Gerät. Aber so weit bin ich noch nicht.

Dann gibt es diejenigen, die sich eine eigene Haspel aus einem Drehteller von Ikea und Holzleisten zimmern (oder vom Liebsten zimmern lassen) wie hier bei Wunschpünktchen. Gesehen habe ich auch ein anderes selbst gebautes Modell mit Halterungen, die per Flügelmuttern stufenlos verstellbar waren.

Dabei dachte ich: „Das sieht doch aus wie Matador!“ und zack: Manchmal zahlt es sich eben aus, das alte, längst nicht mehr genutzte Kinderspielzeug doch noch aufbewahrt zu haben

Mit den langen Stäbchen auf den durchlöcherten Leisten kann man sehr schön den benötigten Durchmesser für den Wollstrang einstellen. Den Teller habe ich daruntergelegt, damit die Haspel nicht über den Tisch „wandert“.

Aus wenigen Matador-Teilen habe ich mir in ca. 5 Minuten meine eigene Haspel zusammengestellt, klein zerlegbar und daher platzsparend zu verstauen. Damit ist das Um-Wickeln, sobald ich eine gute Dreh-Geschwindigkeit gefunden habe, die reinste Freude! Nur gegen Ende, wenn nur mehr wenig Wolle auf der Haspel ist, passiert es manchmal, dass sie von den Stäbchen runterrutscht und verwurstelt.

Wenn das Garn zu Ende geht, rutscht die Wolle manchmal von den Stäben.

Gegen das Verwursteln und Abrutschen habe ich etwas unternommen, indem ich einerseits das Ende des Fadens an einem Stäbchen angeknotet habe. Außerdem verhindern jetzt auf die langen Stäbe gesteckte Holzscheiben das Abrutschen der Wolle nach oben.

Als Abhilfe gegen das Verwursteln der Wolle habe ich oben auf die Stäbchen runde Holzteile gesteckt und das Ende an einem Stäbchen festgebunden. (Entschuldigt das verwackelte Bild.)

Selbermachen macht Spaß! Sehet meine Haspel in Aktion!

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Auf welche Weise wickelst Du Deine Stränge zu Knäueln, wenn Du wickelst? Einfach oder ausgefeilt?

Kleiner Nachtrag: Der Wollwickler eignet sich auch zum schnellen Aufribbeln bereits begonnener aber ungeliebter Strickstücke, sofern die Wolle nicht zu flauschig und verfilzig ist. Das konnte ich im letzten Jahr ein, zwei Mal testen…

Ich weiß genau, warum ich mich dazu entschieden habe, letztes Jahr den grünen Lace-Pulli aus einer handgefärbten Alpaka-Wolle wieder aufzutrennen. (Weil ich darin ausgesehen habe wie eine Knackwurst, nämlich.) Es treibt mir trotzdem fast die Tränen in die Augen, wenn ich zusehe, wie ein in stundenlanger Arbeit entstandenes Strickstück innerhalb weniger Minuten wieder zu schnödem aber schönen Garn wird. Aus dem ich dann neue, schöne Stücke stricken kann.

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Um das bereits verstrickte Garn wieder zu glätten, sollte man das Garn anschließend befeuchten und wieder trocknen lassen. Ich habe es dafür früher quer über einen breiten Holz-Kleiderbügel gewickelt. Zuletzt habe ich auch davon gelesen, das Garn leicht befeuchtet für einige Minuten bei geringer Stufe in die Mikrowelle zu geben. Dann ist es fast wieder wie neu.

Weil ich nur schöne und auch teure Wolle kaufe, ist das für mich der nachhaltigste, sprich: ressourcenschonendste Weg.

Nachtrag 2: Das Wort „verhaspeln“ kommt natürlich von der Haspel, wie man in Susanne Schnatmayers kleinem Büchlein „Verflixt & Zugenäht: Textile Redewendungen gesammelt und erklärt“ (ISBN 978-3-00-050969-8) auf Seite 25-26 nachlesen kann:

„Das Haspeln war ein wichtiger Schritt bei der Garnherstellung. Der gesponnene Faden wurde auf eine Winde, die sogenannt Haspel, gewickelt. Dabei wurde gezählt, wie viele Umdrehungen Garn schon auf der Haspel waren. Verhedderte sich das Garn oder hatte man das Zählen verpasst, so hatte man sich verhaspelt. Genauso kann man sich beim Sprechen verhaspeln, wenn einem der Gesprächsfaden durcheinander gerät oder die Wörter verrutschen.
Eine weniger wahrscheinliche Geschichte verbindet verhaspeln mit dem Wort verhaspen. Verhaspen bedeutete, Fenster und Türen zu verhaken. Hat man sich verhaspelt, so hakt es eben.“

Danke, liebe Susanne für Deine wunderbaren Sammlungen von textilen Redewendungen und Redensarten, und danke Mareike, dass Du mich durch Deinen Kommentar daran erinnert hast, diese Information hier noch nachzutragen.

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31 Kommentare

  1. Liebe Gabi, was für eine coole Idee. Ich werde gleich das Set meiner Tochter vom Dachboden holen und ihr diese Aufgabe als Bastelprojekt für die Herbstferien geben.

  2. Was für eine prachtvolle Konstruktion – mich begeistert ganz besonders die Wiederverwendung des alten Spielzeugs. Und wie zufrieden Du auf dem Video aussiehst – könnte ich mir stundenlang ansehen, diese ins bewegte Bild gebannte tiefe Befriedigung, die nur eine gut funktionierende, selbst ersonnene und gebaute Problemlösung auszulösen vermag.

    High five – ganz wunderbar ausgetüftelt und umgesetzt!
    Maike

  3. Liebe Gabi,

    ich schau so beim Creadienstag vorbei und denke noch, wär ist denn da so bastlerisch kreativ? Und dann bist das Du. Also Du siehst sehr glücklich aus beim Aufwickeln. Insofern muss es sich gelohnt haben.

    LG Mareike

      • Ja, genau! Ach, das habe ich völlig vergessen zu erwähnen, woher das Wort „verhaspeln“ kommt. In Susanne Schnatmayers Büchlein „Verflixt & zugenäht: Textile Redewendungen gesammelt und erklärt“ kann man das auch nachlesen. Ich glaube, diese Information muss ich noch oben ergänzen. Liebe Grüße, Gabi

    • Liebe Mareike, und OB sich das gelohnt hat! Ich freue mich einerseits übers effizientere, schnellere Wickeln und andererseits, dass ich bereits Vorhandenes neu kombinieren konnte für dieses Projekt und nichts Neues kaufen musste. 😀 Liebe Grüße, Gabi

  4. Coole Aktion und sowohl den Wollstranghalter, wie auch dieses Kurbelding habe ich noch nie gesehen … ich dachte auf dem Video erst – wow, so schnell kann sie von Hand ein Knäuel wickeln. Ich wickel mit Mann und von Hand … Liebe Grüße Ingrid

    • Ich habe dieses Kurbeldings auch erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt. Hatte früher auch gar keinen Bedarf, weil ich nie handgefärbte Wolle gekauft habe. So ändert sich das… Wenn man nicht viel wickeln muss, ist per Hand und Mann eine völlig legitime Alternative. Bequemer und schneller geht’s halt anders. 😉 Liebe Grüße, Gabi

    • Ja, mit Sessel hab ich mir früher auch beholfen, aber da verwickelt sich das Garn so gern, oder mehrere Runden lösen sich gleichzeitig, brr! Es macht schon Sinn, das unsere Vorfahren manche Geräte erfunden haben. Liebe Grüße, Gabi

  5. Liebe Gabi,
    zuerst vielen Dank für Deinen lieben Kommentar bei mir:)
    Da ich auch viel mit Wolle arbeite, hab ich das gleiche Problem 🙁 vor dem Verstricken zu Knäueln wickeln:( Deine Idee gefällt mir so sehr♥♥♥Dankeschön♥♥♥
    Liebe Grüße
    Karina

    • Es gibt ja auch andere Möglichkeiten; meine nächste Alternative wäre die Variante „Ikea Drehteller“ gewesen. Oder vielleicht doch die Investition in eine hölzerne, klappbare Haspel. Aber derzeit bin ich recht zufrieden, wie man sehen kann. 🙂 Liebe Grüße, Gabi

  6. Yeah – das ist eine wahre Blümchen-Konstruktion!! Wir haben leider kein Matador o.ä. – vermutlich könnte man es mit Fischertechnik in ähnlicher Weise auch bauen (das haben wir massenhaft im Haus). Und dazu Dein Wickler – Dein Gesichtsausdruck zeigt Deine Freude über das Gelingen der Konstruktion!
    Ich wickle so alles paar Jahre ein paar Stränge – da müssen dann die Herren im Haus herhalten….
    Liebe Grüße
    Ines

    • Ja, wahrscheinlich ginge Fischertechnik auch. (Der Göttergatte hat eine Menge davon in seiner elterlichen Wohnung eingelagert.) Deine Technik-Männer würden Dir sicher was zimmern, wenn Du mehr Bedarf hättest. Am Wickler finde ich nicht nur die Geschwindigkeit schön, sondern mach auch die abgeflachten Knäuel, die dabei entstehen, sehr gerne. Davon habe ich eigentlich gar kein Bild…? Vielleicht eines nachreichen. Liebe Grüße, Gabi

  7. Wie cool! Ich hab zwar ganz selten Wolle am Strang (stricke auch nur noch selten), aber wenn, dann muss meine „Kleine“ (inzwischen auch schon 14) herhalten – die ist geduldig genug 😉
    Ich muss bei Haspel immer an eine Freundin denken, die strickt echt viel und wickelt mit Sessellehne – weil der Mann nämlich nicht geduldig ist und dann schon mal unvermittelt den Strang einfach „abwirft“!
    glg nach Graz!

    • Ich habe in letzter Zeit einiges gewickelt, und da die Knäuel nicht nur schneller entstehen sondern auch hübscher aussehen, wenn man sie mit einem Garnwickler wickelt, habe ich mir so einen zugelegt. Für solche langweiligen Arbeiten wie Garn wickeln bin ich echt zu ungeduldigt, das muss bei mir möglichst flott gehen. Vielleicht ist das mit der Haspel ja dann eine Idee für Deine Freundein? Liebe Grüße, Gabi

      • Das mit der Haspel hat sie schon öfter überlegt, da war das Hauptproblem immer die Größe bzw. der notwendige Platzbedarf… Garnwickler hat sie, soviel ich weiß.
        lg Barbara

  8. Oh liebe Gabi, ich mag es sehr, solche Selbstbau-Varianten, die bei Nichtgebrauch ihrer eigentlichen Bestimmung nachgehen können oder platzsparend aufgeräumt werden… Ich gestehe ja, dass ich nur selten Wolle im Strang kaufe und diese dann ganz profan über eine Stuhllehne hänge und von Hand zu Knäulen wickle oder aber der Liebste ist so nett und hält die Wolle… Das endet dann meist in großem Gelächter und Hallo 😅 Und wenn ich noch etwas gestehen darf? Beim Lesen Deiner Überschrift, dachte ich zuerst an ein Reisemitbringsel aus Südamerika…. Aber beim näheren Betrachten der Bilder (tolles Video übrigens) bemerkte ich meinen Irrtum 🤓
    Vielen Dank für’s Zeigen und viel Spaß beim Verstricken der Wolle, liebe Grüße an Dich von Katrin

    • Liebe Katrin, Liebster hält, Stuhllehne, selbst auf den Knien oder Füßen halten: habe ich schon alles ausprobiert, aber den Garnwickler möchte ich tatsächlich nicht mehr missen. Es geht auch viel schneller und ist weniger anstrengend für die Person, die hilft. Einziges Manko: Geht nicht, wenn man kein Matador zu Hause hat. Liebe Grüße, Gabi

        • Ah, danke für den Hinweis! Das war mir nicht bewusst, dass dieses Spielzeug nicht überall „Matador“ heisst. (Übrigens im Grunde ein sehr martialischer Name…) Als Kind habe ich das Spielzeug geliebt und stundenlang damit konstruiert. Liebe Grüße, Gabi

    • Mit den Knien ist auch eine kreative Variante. Ich hatte das Wolle-Halten auch mit Stuhllehnen und mit meinen Füßen probiert, fand aber beides nicht sehr praktisch. Liebe Grüße, Gabi

  9. Wow, wie einfallsreich! Sehr gut hast du dargestellt wie du dir das erarbeitet hast. Das ist bestimmt für viele eine Hilfe – ich stricke so wenig und kaufe auch keine Wolle auf Strängen.
    LG eSTe

  10. Kicher, ich spüre gerade meine lahmen Arme als Teen, wenn ich meiner Mutter die Wollstränge halten durfte. (ab und an auch meine Geschwister oder mein Vater)
    Deine Konstruktion ist wunderbar. Gegen das Verrutschen hilft vielleicht Moosgummi?
    Viel Spass bei weiteren Konstruktionen
    Liebste Grüße
    Nina

    • Ein Moosgummi, oder gerade denke ich auch an ein Schwammtuch, wie es mein Liebster bei rutschenden Küchenbrettern gerne unterlegt, wenn er Zwiebel schneidet. Das ist eine hervorragende Idee, das werde ich bei der nächsten Wickel-Aktion testen! Liebe Grüße, Gabi

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