Beim zweiten Anlauf ist mein Poncho „Ravie“ nach der Anleitung von Rosy Green Wool zu einem Lieblingsteil geworden.
Ich habe jetzt erst einmal nachschauen müssen: Zuletzt habe ich am Me Made Mittwoch im Mai 2023 (also vor fast zwei Jahren) teilgenommen, und zwar mit einem Lauf-Hoodie aus Woll-Strick, den ich immer noch sehr gern trage, wenn es kalt ist)! Die lange Pause zeigt deutlich, dass ich in letzter Zeit kaum neue Kleidung für mich hergestellt habe, sondern eher sticke, stricke und häkle. Und wenn ich nähe, dann eher schnelle Täschchen oder Reparaturen.
Mein Kleiderschrank ist mit selbst genähten und gestrickten Stücken, mit vor langer Zeit gekauften Lieblingsstücken, die immer noch gut sind (v.a. Sommerjäckchen), und mit einem kleineren Teil Second Hand Zufallsfunde gut gefüllt. Ich mag meinen Kleiderschrankinhalt sehr, und es gelüstet mich selten nach etwas Neuem.
Wieauchimmer. Der Poncho „Ravie“ von Rosy Green Wool (Designerin: Inese Sang) ist mir im April 2023 mit dem Newsletter von Rosy Green Wool ins Haus geschneit. Das kleine, dezente gesmokte Muster am Rand hat mich sofort angesprochen, und einen Poncho stellte ich mir sehr unkompliziert vor: Einfach schnell überwerfen. Allerdings gefiel mir die Asymmetrie dieses Modells nicht so gut: Auf der einen Seite ist der Oberarm nur bis zum Ellenbogen bedeckt, auf der anderen Seite der ganze Arm bis zum Handgelenk?

In der Anleitung fand sich jedoch auch ein Hinweis, wie viele Musterelemente man kürzer stricken solle, damit man einen quadratischen Poncho herausbekommt. Das hab ich dann auch gemacht. Der Poncho strickt sich recht einfach, im Grunde kraus rechts mit eben der gesmokten Passe, die durch Umwickelung einiger Maschen ensteht. Man strickt im Grunde ein breites Tuch, das zum Schluss zusammengeklappt und an einer Seite unsichtbar zusammengenäht wird, Diese Naht liegt auf einer Schulter, und der Abschnitt, der für den Halsausschnitt offen bleibt, wird gleich beim Stricken mittels iCord abgerundet.


Im Oktober 2023 begonnen, Ende Dezember 2023 (über Weihnachten) fertig gestrickt und dann – wie von meinem jährlichen Winter-Strickprojekt gewohnt – bei einem Spaziergang am Zeller See fotografiert.



Finde den Fehler. Nämlich: Wenn ich möchte, dass der Poncho beide Arme bis zum Ellenbogen bedeckt, dann ist eine quadratische Form des relativ kurzen Ponchos dafür nicht geeignet. In dieser, meiner ersten Variante endete der Poncho auf einer Seite schon knapp unterhalb der Schulter! (Gut zu sehen auf dem Bild von hinten.)
Diesen Denkfehler habe ich aber erst nach dem Zusammennähen bemerkt, weil die endgültige Form des Ponchos erst beim Spannen abschätzbar wird.



Wie ärgerlich! Ich wusste jedenfalls dass ich das hübsche Teil so kurz nicht tragen würde. Einfach noch ein Stück dranstricken ging nicht, weil ja im Bereich des Halsausschnitts (ich erwähnte das schon) ein iCord gestrickt wird, der beim Zusammennähen der Schulternaht gestört hätte.
Also war meine Lösung wieder einmal: auftrennen, Wolle glätten, neu verstricken. (Wie ich dabei vorgehe, habe ich schon einmal ausführlich beschrieben.) Und zwar inklusive des gesamten iCord-Bereiches auftrennen (!), also fast wieder bis zum Anfang. Das Gute an der Übung war, dass ich inzwischen – nach Maschenprobe und vielen Stunden stricken – genau wusste, wie breit ein Musterrapport bei mir wird, und anhand des zu kurz geratenen Stücks bestimmen konnte, wie viele Rapporte mehr ich stricken musste, um die für mich richtige Größe zu erreichen.
Woll-Händlerinnen haben jedenfalls keine große Freude mit mir, weil ich gefühlt jedes Garn mindestens ein Mal auftrenne und neu stricke. Nur meine Norwegerjacke „Paula Sandnes“ kann ich nicht auftrennen, denn die habe ich gesteekt (in Runden gestrickt und dann in der vorderen Mitte aufgeschnitten), was ein Auftrennen ein für alle Mal verhindert, wenn ich nicht mit unzähligen kurzen Wollfäden enden möchte. Vielleicht sollte ich mehr Norwegerpullis stricken, um den Umsatz der Wollhändlerinnen in meiner Umgebung anzukurbeln. 😁




Als ich dann aber die Version 2 fertiggestellt hatte (Jänner-März 2024), da war ich dann wirklich sehr zufrieden mit dem Teil! Ich finde so einen Poncho genauso praktisch überzuwerfen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Der Poncho hängt – allzeit bereit, die Kälte von mir abzuhalten – immer über der Lehne meines Schreibtischsessels. Oft werfe ich ihn morgens, beim Durchsehen meiner Mails, über. Er gibt mir genau die richtige Mischung aus Wärme auf der Brust, am Hals und an den Oberarmen, und luftig bei den Unterarmen und auch am Bauch, wo ich persönlich es nicht so warm brauche. Bei Hitzewallung ist er schnell abgestreift, und wenn es mich wieder fröstelt, schnell übergeworfen. Einzig wenn ich mich vorbeugen muss – z.B. beim Geschirrspüler-Ausräumen oder Schuhe-Zubinden – finde ich es nervig, wenn der Poncho davonflattert. Dann stecke ich den vorderen Zipfel in den Hosen- oder Rockbund, und er ist nicht mehr im Weg.
Als Wolle habe ich die von Rosy Green Wool für dieses Tuch vorgeschlagene Cheeky Merino Joy verwendet. Rosy Green Wool ist ein deutsches Unternehmen, von dem ich immer dachte, dass es portugiesische Merinowolle in England verarbeiten lässt. Das stimmt auch für bestimmte Qualitäten, aber nicht für diese, bei der die Wolle (immerhin mulesingfrei) aus Südamerika kommt. Im Fall dieses Ponchos ist meine Devise: Besser Wolle als Plastik, denn zumindest ist das Garn reine Schurwolle, plastikfrei und auch ohne Superwash-Ausrüstung. Für den nächsten Poncho (falls ich noch einen stricken sollte, denn eigentlich brauche ich nicht mehr als das eine Stück) würde ich noch einmal in Europa gewachsene Wolle recherchieren.

Gemeinsam mit Kathi Wesely vom Wollhabitat in Wien erstelle ich gerade eine neue Seite am Textilportal, auf der wir genauer hinsehe, welche Woll-Marken wir als wirklich empfehlenswert weil nachhaltig empfehlen können. Wir haben bislang festgestellt, dass die Nachhaltigkeits-Frage auf Ebene der Firma oder des Labels gar nicht zu beantworten ist, sondern das man sich wirklich das jeweils einzelne Garn anschauen muss bezüglich Herkunft der Wolle, Plastikanteil oder nicht, gefärbt oder naturfarben, und Verarbeitung in Europa oder anderswo.
Wir stecken gerade mitten im Prozess der Recherche und der Analyse. Ich werde jedenfalls Bescheid geben, wenn (falls) wir vernünftige Ergebnisse haben.
Mit Kathi habe ich übrigens auch einmal eine feine Podcastfolge über Nachhaltige Wolle-Marken aufgenommen. Wollte ich erwähnt haben, falls du beim Stricken unterhalten werden möchtest. ☺️
Somit spaziere ich heute jedenfalls mit meinem Lieblingsponcho nach Langem wieder einmal auf den Laufsteg des MeMadeMittwoch, wo viele wunderbare Frauen ihre selbst genähten Teile präsentieren. Ich bin gespannt ob es dort schon so frühlingshaft zugeht, wie es bei uns in Graz gerade überall anfühlt, oder ob noch letzte winterliche Teile genäht wurden?
Das ist drin
- Schnitt/ Anleitung: Poncho „Ravie“ von Rosy Green Wool (Anleitung selbst gekauft)
- Änderungen: In Abwandlung der Original-Anleitung habe ich gestrickt: Rand (1li 1re), 9 Musterblöcke am Anfang; 16 Musterblöcke mit iCord für den Halsausschnitt; 9 Musterblöcke am Ende; Rand (1li 1re)
- Material: Ca. 275 g (3 Stränge) „Cheeky Merino Joy“ von Rosy Green Wool, in der Farbe 146 „Seetang“, gekauft bei: Maschenwerkstatt in Graz, rund 58,- Euro (Wolle selbst gekauft)
- Werkzeug: Stricknadeln mit Seil in der Stärke 3,5
- Arbeitszeit: Bei der Version 1 habe ich nicht mitgestoppt. An der Version 2 habe ich rund 24 Stunden gestrickt.
- Fazit: Für mich die richtige Mischung aus wärmend an den Stellen, wo ich es brauche, und luftig an anderen. Ich mag diesen Poncho richtig gern und trage ihn häufig.
Ravelry Link zu Version 1 – Ravelry Link zu Version 2
Verlinkt bei

Im Bingo! 2025 von Antetanni gibt der Poncho ein weiteres Kreuzchen im Feld „geflochten, gehäkelt, gestrickt“

Der Poncho sieht warm und schön aus. Das Randmuster macht aus dem einfachen Poncho etwas Besonderes. Aber du bist nicht die einzige die Stricksachen 2x strickt, das passiert auch mir immer wieder. Aber wenn die Sachen dann so passen, wie man sich das vorgestellt hat, hat sich die Arbeit gelohnt. LG Gabi
Genau, dann hat es sich gelohnt. Und (wie ich im Kommentar von Beate schon geschrieben habe) auf diese Weise kann ich meine meditative Strickzeit auf kostengünstige Weise verdoppeln. 🙂 Liebe Grüße, Gabi
oh, ist Dir da ein hübscher Poncho gelungen. Und aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, es war gut, dass Du es noch mal gestrickt hast. Vor sicher 10 (eher mehr) Jahren habe ich mir auch so ein Kuschelteil gestrickt. Perfekt für so viele Lebenslagen! Und unverwüstlich.
Hab viel Freude daran.
Mit lieben Grüßen und eine schöne Woche
Nina
Noch eine Poncho-Befürworterin, wie schön. Ich hatte zunächst bedenken, wie so ein Poncho unter einen Wintermantel passen soll, wenn ich ihn mal woanders als zu Hause trage. War aber kein Problem, er schiebt sich an den Schultern einfach ein bisschen zusammen. Aber nicht so viel, dass es furchtbar aufträgt. Auch dir eine schöne Woche! Liebe Grüße, Gabi
Das ist ja ein Traum von Farbe und ein tolles Muster!
Prima, dass du dir die Mühe gemacht hast, den ganzen Poncho noch einmal aufzurippeln und neu zu machen! So kurz ist wirklich unpraktisch, obwohl ich ihn optisch so klein natürlich auch hübscher aufgrund der Symmetrie fand.
Bei meiner Handarbeitsfreundin streif ich mir auch gerne ihren Poncho über, da es mich bei ihr meistens ein bisschen fröstelt.
Liebe Grüße,
Maria
Schön, dass du auch schon die Vorzüge so eines Ponchos erfahren hast! Bei den Farben sind wir beide uns ja schon immer ziemlich einig gewesen, mit Fokus auf Herbstfarben. Liebe Grüße, Gabi
Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass ein Poncho sehr praktisch ist. Und auch einfacher zu stricken, da man nur ein gerades Teil hat. Bewundernswert, dein Mut, aufzuribbeln und neu anzufangen; aber es hat sich ja gelohnt. Ich habe mir schon mal überlegt, einen Stoff für einen Poncho zu weben, es ist aber noch nicht dazu gekommen…..
Auf die Untersuchung der Woll-Marken auf dem Textilportal bin ich gespannt. So wie ich das verstanden habe, sind ungefärbte Garne auch dabei – das wäre für mich interessant.
LG
Beate
Liebe Beate, das Aufribbeln hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit der schlichten Erkenntnis, dass ich Sachen, die mir nicht gefallen oder nicht passen, auch nicht tragen werde. Und mit meiner Sparsamkeit, bzw. dem Mehrwert. Ich habe eine Freundin, die solche Stücke an Freundinnen weitergibt und dann neue Wolle für neue Projekte kauft. Und ich genieße die Tätigkeit (das Stricken), die ruhigen Morgenstunden, mit Podcast oder Hörbuch, sind meine Form der Meditation. Also durch Ribbeln quasi: 1x Garn gekauft + 1x aufgeribbel = doppelte Freude. 🙂 Liebe Grüße, Gabi